Weseler Rheinbrücken ab 1945

Zum Ende des zweiten Weltkrieges waren nicht nur die Stadt Wesel, sondern auch die zwei wichtigen Weseler Rheinbrücken zerstört.
Die Alliierten hatten zwar für den Übergang ihrer Armeen bei Wesel mehrere Kriegsbrücken in Form von Schwimm- und Pfahlbrücken über den Rhein geschlagen, aber diese Brücken dienten rein militärischen Bedürfnissen und bestanden nur für kurze Zeit.

Montgomery Brücke (1946-1953)

Historische Aufnahme der sogenannten Montgomery Brücke in Wesel

Um den wichtigen Rheinübergang bei Wesel überhaupt wieder zu ermöglichen, wurde im Oktober 1945 mit dem Bau einer doppelspurigen Pionierbrücke begonnen, die bereits am 05.02.1946 eingeweiht werden konnte. Diese Brücke, die nach dem Oberbefehlshaber der englischen Streitkräfte, Montgomery, benannt war, blieb für die Bevölkerung und den Handel innerhalb der nächsten sieben Jahre die einzige nutzbare Rheinbrücke. Sie bestand aus zwei miteinander verbundenen einzelnen Pionierbrücken, sogenannten Bailey-Brücken, mit je einer Spur für den Kraftverkehr. Zwischen den Brücken war ein 2,32 m breiter Radweg angelegt. Fußgänger konnten die Brücke nur auf zwei schmalen, seitlich herausragenden Stegen von 1,20 m Breite überqueren. Autos und Lastkraftwagen durften diese Brücke nur in langsamer Fahrt bis höchstens 25 Stundenkilometer überqueren und dennoch geriet sie dabei so heftig ins Schwanken, dass die Anwohner auf beiden Seiten des Rheins bald nur noch von ihrer "Munteren Gummibrücke" sprachen.

Die Weseler Rheinbrücke (1953 bis 2009)

Die Weseler Rheinbrücke kurz nach ihrer Eröffnung in den 50er Jahren

Die Tatsache, das die Montgomerybrücke nicht hundertprozentig sicher bei Eisgang war, die recht häufigen Havarien in ihrem Durchfahrtsbereich sowie die außerordentlich hohen Unterhaltskosten bewogen den Bund und die Landesregierung 1950 Mittel für den Bau einer neuen Rheinbrücke zur Verfügung zu stellen. So konnten endlich im Sommer 1950 die Tiefbauarbeiten an eine Arbeitsgemeinschaft der Firmen Ed. Züblin AG., Phillip Holzmann AG. sowie den Weseler Firmen F.C. Trapp und Hülskens und Co. vergeben werden. Die Leitung für den Bau der neuen Rheinbrücke wurde Dr. Ing. Fleig übertragen, der heute noch in Wesel wohnt.

Am 18.6.1953 war es endlich soweit. In Anwesenheit des Ministers für Wirtschaft und Verkehr des Landes Nordrhein-Westfalen, Dr. Sträter, konnte die neue Weseler Rheinbrücke festlich eingeweiht und dem Verkehr übergeben werden.
Dabei soll aber nicht vergessen werden, das die neue Rheinbrücke von Anfang an nur als ein zeitlich begrenztes Provisorium geplant war. Um nämlich Geld und Material zu sparen, hatten die politischen Entscheidungsträger vor Beginn der Bauarbeiten beschlossen, die neue Rheinbrücke auf den Fundamenten der alten Brücke zu bauen, wodurch auch die Überbauten in ihren Abmessungen, wie z.B. der Fahrbahnbreite, bis auf wenige Zentimeter, genau den alten Abmessungen zu entsprechen hatten.

Luftaufnahme der Weseler Rheinbrücke aus den 1980er Jahren

Die Gesamtkosten für den Brückenneubau konnten dadurch auf rund 7.6 Millionen DM gedrückt werden. Andere Rheinbrücken, die ungefähr zur gleichen Zeit entstanden, kosteten rund das Dreifache. Doch bereits 1952 hatte die Gesamtzahl der Kraftfahrzeuge in Wesel im Verhältnis zum Jahre 1930 bereits um 366,6 % zugenommen. Deshalb sollte die neue Weseler Rheinbrücke schon zum Zeitpunkt ihrer Erbauung nach zwanzig Jahren durch eine völlig neue, verkehrsgerechte und moderne Konstruktion ersetzt werden. Letzteres wurde allerdings immer wieder verschoben und so fahren heute täglich 20.000 bis 30.000 Autofahrer über eine Rheinbrücke, die für einen Verkehr geplant worden war, wie man ihn sich eigentlich aus der Zeit vor dem ersten Weltkrieg vorstellte.

Niederrheinbrücke (seit 2009)

Rheinbrücke in Wesel

336 Meter lang, an ihrer Spitze 130 Meter hoch, mit vier Fahrstreifen, kombinierten Fuß- und Radwegen und rund 70 Millionen Euro teuer: Das ist die neue Rheinbrücke, die seit dem 30. November 2009 den linken und den rechten Niederrhein in Wesel verbindet.

Die Niederrheinbrücke ersetzt die alte Rheinbrücke, die bei ihrem Bau im Jahr 1953 eigentlich nur als Behelfsbrücke gedacht war und den in den vergangenen 55 Jahren stark angestiegenen Autoverkehr nur noch mühsam bewältigen konnte.

 

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