Derik Baegert

Derik Baegert

Das 15. und 16. Jahrhundert gelten gemeinhin als die Blütezeit der Stadt Wesel. Sie wuchs in dieser Zeit an Größe und Bevölkerung, entwickelte sich zu der beherrschenden Handelsmetropole am unteren Niederrhein und war als bei weitem größte, volksreichste und mächtigste Stadt im Herzogtum Kleve Vorort der klevischen Städte in der Hanse und Führerin dieser Städte im Landtag. Der Aufstieg der Stadt im 15. Jahrhundert war begleitet von einer umfassenden geistlichen und profanen Bautätigkeit. So wurde die Pfarrkirche erst erweitert und schließlich vollständig erneuert sowie eine zweite, Pfarr- und Wallfahrtskirche in der befestigten Vorstadt Mathena errichtet. Ein prächtiges, größeres Rathaus ersetzte einen etwa siebzig Jahre alten Bau auf dem Großen Markt. Zum Bau dieser und anderer Gebäude wurden teilweise namhafte Baumeister wie etwa Henrik Blankebiel und Gerwin van Langenberg beschäftigt, die auch für einen Teil der Bauplastik verantwortlich zeichneten. Für die Ausschmückung der Kirchen, Klöster, Hospitäler, des Rathauses oder des Kalvarienberges beschäftigte man auch namhafte Künstler aus Westfalen und dem Rheinland. Herausragender Künstler des späten 15. Jahrhunderts unter den zahlreichen Weseler Malern, Bildhauern, Bildschnitzern, Schreinern, Glasern und Goldschmieden war zweifelsohne der Maler Derik Baegert.

Derik Baegert wurde wohl kurz vor 1440 in Wesel als Sohn des Weseler Bürgers Johan Baegert und der Mechtelt Mynreman geboren. Sein seit 1435 nachweisbarer Vater war Kaufmann, der ab 1437 regelmäßig städtische Zollzeichen löste, also Frachtgut über den Rhein transportieren ließ. Die Familie, zu der aus der zweiten Ehe des Vaters mit Agnes (Neesken) van Bert drei weitere Kinder – Beelken, Kathrynken und Aleide – gehörten, wohnte in der Feldstraße gegenüber dem Dominikanerkloster, in einer vornehmlich von Kaufleuten bewohnten Gegend. Sie war allerdings nicht so vermögend, dass sie auch nur den zwölften, geringsten Teil zur Pferdehaltung – entsprechend einem definierten Vermögen von 150–200 Goldgulden – zahlen musste. Johan starb spätestens 1464, seine Frau frühestens 1477. Sie war die Tochter des Weseler Bürgers Andreas (Dries) van Bert; bei diesem handelt es sich wohl nicht um den Goldschmied, sondern um den Kirchmeister von St. Willibrord (mindestens 1427–1457) und Provisoren des Gasthauses Heilig Geist (1433–1459). Die Familie van Bert war seit 1503 im Weseler Magistrat vertreten und nahm im 16. Jahrhundert großen Einfluß auf die Geschicke der Stadt. Neesken Baegert wirkte als Faßmalerin. Sie arbeitete vielleicht schon seit 1459, sicher von 1464–1477 als solche für die Pfarrkirche St. Willibrord.
Über die Ausbildungszeit Baegerts gibt es bislang nur unzureichende Mutmaßungen, die die Lehrstätte im Großen und Ganzen in den Niederlanden – sei es nun Utrecht oder Antwerpen – sehen.

Seit 1467 ist Derik Baegert in Wesel mit einem eigenen Haushalt nachzuweisen. Er wohnte damals in der Torfstraße, gegenüber dem Augustinerkloster, als er vier Albus Beitrag zum Bau des Kirchturms von St. Willibrord bezahlte. 27 Jahre später hatte er es wahrlich weit gebracht, denn er besaß ein Haus auf der Südseite der Breiten Brückstraße, mithin in der neben dem Großen Markt angesehensten Wohngegend der Weseler Altstadt. Seinen Lebensabend verbrachte er seit spätestens 1496 in der Vorstadt Mathena, wo er wie sein Sohn Johan (Jan) auf der Hohen Straße in bester Lage ein Haus besaß. Beide mussten 1502 für eine städtische Anleihe Geld geben, wobei der Sohn das etwa Vierfache des Vaters aufzubringen hatte.

Gerichtsbild mit dem Titel Eidesleistung aus dem Jahre 1493 und 1494

Neben dem noch im Städtischen Museum im Centrum am Kornmarkt in Wesel vorhandenen und im Auftrag des Magistrats der Stadt angefertigten Gerichtsbildes mit dem Titel "Eidesleistung" (1493/94) schuf er einige der größten Tafelaltäre Nordwestdeutschlands. Hierzu gehören die Hochaltäre der im Zweiten Weltkrieg zerstörten Mathenakirche in Wesel, von denen lediglich Fragmente in der Sammlung Thyssen-Bornemisza erhalten sind, der Altar der Propsteikirche in Dortmund, sowie unzählige weitere Tafelbilder, die zu großen Teilen im Wesfälischen Landesmuseum für Kunst und Kulturgeschichte in Münster zu besichtigen sind. Das obige Bild zeigt ein Selbstportrait, welches Baegert in den Dortmunder Altar einarbeitete, es entstand in den 70er Jahren des 15. Jahrhunderts und gilt als das früheste nachweisbare Selbstportrait eines Malers im nordwesteuropäischen Raum.

In Baegerts Werkstatt arbeiteten neben seinem Sohn Jan, dem Maler des Cappenberger Altars, Deriks Neffe Jan Joest, der unter anderem den Hochaltar in der Nikolai-Kirche in Kalkar fertigte, sowie der Meister des Schermbecker Altars. Seine Schüler übernahmen gleichfalls die ursprünglich aus Italien stammende Tradition, ein Selbstportrait in seine Werke einzuarbeiten.

Ein letztes Lebenszeichen von Derik Baegert gibt es aus dem Jahre 1509, als er rückständige Zinsen an das Weseler Leprosenhaus zahlte. Dem weit verbreiteten Datum 1515 als Terminus post quem – der Künstler soll damals an der Kontrolle der Mathena-Kirchenrechnung beteiligt gewesen sein – liegt ein Lesefehler zugrunde.
Verheiratet war Baegert mit einer Frau namens Christina (Stijn); aus der Ehe gingen ein Sohn und eine Tochter hervor, Johan (Jan) und Henrike (Henriksken). Jan Baegert übernahm die Werkstatt seines Vaters und führte sie mit großem Erfolg weiter.

Die Faßmalerei der Neesken Baegert für die Weseler Stadtkirche übernahm spätestens 1489 ihre Tochter Katharina (Trijnken, Trintgen), die diese Tätigkeit bis 1515 ausübte. Katharina war mit einem Heinrich Joest verheiratet und Mutter des 1519 in Haarlem verstorbenen Weseler Malers Jan Joest.

Im Jahr 1968 gründete der Galerist Bodo Bratke im Nordflügel von Schloß Ringenberg in der Weseler Nachbargemeinde Hamminkeln die Derik-Baegert-Gesellschaft mit dem Ziel, ein Atelier-und Ausstellungszentrum für junge KünstlerInnen zu unterhalten.

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