Stichtag: 03. April 1817 - Geburt von Mathilde Franziska Anneke

Was hat die am 3. April 1817 in Sprockhövel geborene und am 25. November 1884 in Milwaukee/Wisconsin verstorbene deutsch-amerikanische Frauenrechtlerin Mathilde Franziska Anneke mit Wesel zu tun? Geboren wurde sie als Mathilde Franziska Giesler auf dem Gut ihres Vaters, der sie der Schulden wegen dem aus Mülheim/Ruhr stammenden Weinhändler Albert Philipp Ferdinand von Tabouillot 1836 zur Frau gab. Ende 1837, kurz nach der Geburt ihrer Tochter Fanny, verließ sie ihren gewalttätigen Ehemann und lebte von 1838 bis 1839 in Wesel. Sie reichte die Scheidung ein, die nach einem längeren Verfahren 1840 zustande kommt. Mathilde von Tabouillot wurde schuldig geschieden, konnte aber ihre Tochter behalten. Sie musste sich angesichts einer nur geringen Alimentation sehr einschränken und versuchte, mit der Schriftstellerei ihren Lebensunterhalt zu bestreiten. Sie publizierte 1839 sehr erfolgreich ein erstes Buch, ein Gebetbuch mit dem Titel „Des Christen freudiger Aufblick zum Vater". Verlegt wurde das Buch vom Weseler Verleger Johann Bagel, der auch die zweite Auflage besorgte. Bis 1844, also zu einer Zeit, wo sie schon in Münster lebte, wurden ihre Werke bei verschiedenen Druckern und Verlegern in Wesel verlegt. Neben Bagel druckte August Klönne die erbauliche katholische Literatur oder ihr Theaterstück Oithono. Sie steuerte eine heimatliche Sage zu Roderich Benedix' 1844 erschienen Sagenbuch bei. Den von ihr herausgegebenen Damenalmanach verlegte 1841 der revolutionäre Buchhändler August Prinz, der später in Hamburg tätig war. In ihrer frühen, noch unpolitischen Zeit als freie Schriftstellerin wurden ihre Werke ausschließlich in Wesel verlegt.

Titelseite des 1841 in Wesel verlegten Damenalmanachs

In Münster kam Mathilde Franziska von Tabouillot in Kontakt mit demokratischen und kommunistischen Zirkeln. Sie traf dort den aus der preußischen Armee entlassenen Artillerie-Offizier Friedrich Anneke wieder und heiratete ihn 1847, als beide nach Köln zogen. Sie hatte Anneke bereits in Wesel kennengelernt, wo sie den dortigen „Debattier- und Leseclub" frequentierte und wohl schon dort die Bekanntschaft mit den revolutionären Artillerie-Offiziere Friedrich von Beust und August Willich gemacht hat. Zu den Gleichgesinnten gehörten auch das auf der Breiten Brückstraße in Wesel beheimatete Ehepaar Georg Friedrich und Caroline Veenvliet, 1847 wohnte sie während eines Aufenthalts in Wesel bei ihnen. Caroline Veenvliet und Friedrich von Beust suchten sie im selben Jahr mit zwei Xantener Kommunistinnen in Köln auf. Sie teilten alle zwei Jahre später das gleiche Schicksal: Sie wurden steckbrieflich gesucht und mussten die Heimat verlassen.

Aufsehen erregte Anneke 1847 mit ihrer Verteidigung der Berliner Frauenrechtlerin Louise Aston. In Köln gründete sie ein „kommunistisch-ästhetisches Klübbchen" und, nach der Verhaftung ihres Mannes, die Neue Kölnische Zeitung, für die sowohl ihr Mann wie auch Friedrich Beust arbeiteten, sowie die „Frauenzeitung", Deutschlands erste Frauenzeitung.

Mathilde Franziska Anneke nahm 1849 an der Seite ihres Mannes an den Kämpfen in der Pfalz und Baden teil. Sie konnten gemeinsam aus der Festung Rastatt entkommen und wanderten Ende 1849 in die USA aus. Die Familie lebte in Milwaukee und zeitweilig in New Jersey. Er arbeitete als Journalist, kämpfte im Sezessionskrieg als Offizier für die Nordstaaten und lebte nach der Trennung von seiner Frau (1865) als Redakteur und Arbeitersekretär in Chicago.

Mathilde Franziska Anneke

Sie war in den USA als Journalistin und Schriftstellerin tätig, gab ab 1852 die „Deutsche Frauen-Zeitung" heraus, engagierte sich als Frauenrechtlerin sowie für die Abschaffung der Sklaverei, gründete nach einem fünfjährigen Aufenthalt in Europa 1865 in Milwaukee eine Mädchenschule, die sie selbst leitete, und war 1869 Mitbegründerin der Wisconsin Woman Suffrage Association.

Mathilde Franziska Anneke starb am 25. November 1884 in ihrem Haus in Milwaukee. In Wesel erinnert eine Straße an diese frühe Frauenrechtlerin (Franziska-Anneke-Weg).

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