Stichtag: 12. Dezember 1977

Unter den Weseler Künstlern des 20. Jahrhunderts sticht eine durch ihre Präsenz im öffentlichen Raum besonders hervor, Eva Brinkman. Sie schuf in den Nachkriegsjahren in Wesel zahlreiche Reliefs und Figuren, die als Kunst am Bau bis heute prägende Akzente setzen. Nicht zu übersehen sind der Lombarde in der Lomberstraße, die Begine in der Beguinenstraße, die Trauernde Vesalia auf dem Bombenopferfeld des Friedhofs an der Caspar-Baur-Straße oder die Stiftertafel vor dem Altenheim am Willibrordidom.

Eva Brinkman bei der Arbeit an der Trauernden Vesalia für das Bombenopferfeld im Garten Hansaring Nr. 5 (1952).

Eva Anna Natalie Brinkman wurde am 12. Oktober 1896 in Wesel geboren. Sie war die Tochter des Dr. Ludwig Brinkman und der Gertrud Nimtz. Der Vater war Bürgermeister von Neumarkt in Schlesien, die Mutter brachte das Kind bei ihren Eltern in Wesel zur Welt. Nach der Trennung der Eltern zogen Mutter († 24.August 1943) und Tochter 1903 nach Berlin und zwei Jahre später nach Wesel und wohnten anfangs bei der Großmutter in der Hafenstraße und ab 1909 im neuerbauten eigenen Haus am Hansaring.

Eva besuchte in Wesel von 1905 bis 1912 das Städtische Lyzeum und 1912 eine Haushaltsschule in Bonn. Dort lernte sie Hulda Droste, die spätere Ehefrau Otto Pankoks kennen.

Da die Kunstakademie in Düsseldorf noch keine Frauen aufnahm, besuchte sie dort von 1914 bis 1918 die Malklassen der Kunstgewerbeschule. Dort, wo sie Unterricht in Zeichnen und Malen erhielt, wurde ihr Interesse für die Bildhauerei geweckt. 1920 bildete sie sich an der Holzschnittschule in Bad Warmbrunn/Schlesien weiter.

Schon 1918 stellte Eva Brinkman erstmals in Wesel bei einer Gruppenausstellung aus. 1923 ging sie für ein Jahr als Restauratorin nach München.

Nach ihrer Rückkehr 1924 stellte sie in Duisburg aus. Sie reiste wohl 1928 nach Berlin und mit ihrem Schüler und Mäzen Dietrich Krieger 1929 nach Paris und stellte die dabei entstandenen Zeichnungen anschließend in Wesel aus. In den 30er Jahren unternahm sie auch Reisen nach Dänemark und Schweden sowie in die Niederlande.

1934 war sie wie ihr 1938 verstorbener Schüler Dietrich Krieger Gründungsmitglied der „Vereinigung niederrheinischer Künstler und Kunstfreunde" und stellte auf den von der Vereinigung organisierten jährlichen Ausstellungen im Herzogsschloss und nach dem Krieg im Rathaus aus.

Die Künstlerin erlebte die Zerstörung ihrer Heimatstadt 1945 mit, bei der ihr Wohnhaus zerstört wurde. Die Ereignisse hinterließen einen, ihr eigenes Schaffen prägenden Eindruck. Sie baute ihr Haus wieder auf und verfügte seit 1950 wieder über eine Werkstatt, war jedoch schon fünf Jahre später gezwungen, dieses wegen des an der Komturstraße geplanten Hochhauses Mercedes-Stern wieder abzureißen. Sie bezog deshalb mit ihrer Freundin Käthe Pommer ein eigenes Haus am nahegelegenen Halben Mond, welches speziell auf ihre Bedürfnisse zugeschnitten war.

Eva Brinkman, dahinter Käthe Pommer und Elsbeth Dahmen (v.l.) (1930er Jahre)

Mit unermüdlicher Schaffenskraft arbeitete Eva Brinkman, die vor allem durch ihr bildhauerisches Werk bekannt wurde, bis zu ihrem Tod. Sie starb am 12. Dezember 1977 in Wesel.

Nach Eva Brinkman, die sich nach dem Weltkrieg auch kulturpolitisch als Gründungsmitglied der Vereinigung „Kultur und Heimat" engagierte und stellvertretende Vorsitzende war, wurde 1992 eine Straße benannt.

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