Stichtag: Am 1. September 1952 erschien der General-Anzeiger nach mehr als sieben Jahren wieder

General-Anzeiger vom 16. September 1942

Im alten Wesel gab es drei alteingesessene Zeitungen, die über mehrere Jahrzehnte hinweg erschienen. Das älteste Blatt war die Weseler Zeitung, die seit 1868 diesen Namen führte und vorher – seit 1836 – als Intelligenzblatt, Kreisblatt und Kreisanzeiger erschien. Die Niederrheinischen Neuesten Nachrichten erschienen zwar erst ab 1906, hatten aber anscheinend die 30 Jahre zuvor aufgelegte Weseler Volkszeitung übernommen. Die dritte Zeitung, der General-Anzeiger, wurde seit dem 18. Januar 1880 von Karl Voß herausgegeben. Sie war Nachfolgerin des Sprechers, der ursprünglich in Hamm erschien, 1841 von August Bagel gekauft wurde und 1870 an Carl Kühler verkauft wurde. Der General-Anzeiger etablierte sich in Wesel und dem Kreis Rees, hatte einen festen Leserstamm am linken Niederrhein und war zugleich Anzeiger für Kreis und Stadt Dinslaken.

Heinrich Peitsch

Die Zeitung wurde am 1. August 1934 von der Verlegerfamilie Müller aufgrund erheblichen politischen Drucks verkauft. Käufer war der Verleger Heinrich Peitsch, der die Zeitung gegen den Druck der Nationalsozialisten fortführte. Zu Peitschs Versuchen, die Zeitung noch vielseitiger und reichhaltiger zu gestalten, gehörte die Schaffung der populären Beilage „Heimatspiegel“, die von 1934 bis mindestens 1938 erschien. Der General-Anzeiger wurde wegen unterschiedlicher „Vergehen“ wiederholt vom Weseler Bürgermeister Otto Borgers für einige Tage verboten. 1943 wurde auf Betreiben der NSDAP die Druckerei stillgelegt und die Parteipresse unterbreitete ein Angebot zum Ankauf der Zeitung, das jedoch abgelehnt wurde. Der General-Anzeiger erschien trotzdem weiter als Kopfblatt des in Kleve erscheinenden „Volksfreundes“ bis zum 14. Februar. Beim großen Angriff vom 16. Februar 1945 fiel die Druckerei in der Hohen Straße den Bomben zum Opfer.

Aufgrund der alliierten Lizenzbestimmungen konnte der General-Anzeiger nach dem Krieg erst einmal nicht erscheinen. Stattdessen erschien ab 1947 das Anzeigenblatt „Öffentlicher Anzeiger“. Nachdem 1949 die Lizenzbestimmungen fielen, fehlte es an den nötigen finanziellen Mitteln, um die zerstörte Zeitungsdruckerei zu ersetzen. Erst 1952 war es soweit, dass am 1. September Wesel wieder Zeitungsverlagsort wurde. Der „General-Anzeiger für Wesel, Kreis Rees und den Niederrhein. Unabhängige Heimatzeitung, Öffentlicher Anzeiger Rees, Emmericher Tageblatt“ erschien als erste und einzige der ehemaligen niederrheinischen Heimatzeitungen auch nach dem Krieg. Peitsch, der von 1948 bis 1952 für die CDU im Stadtrat saß, setzte gegen die neuen überregionalen Zeitungen bewusst auf die Heimatzeitung, also die stadt- und landschaftsgebundene Zeitung. Aufgrund der heimatlichen Verpflichtung machte sich der Verleger auch zum Fürsprecher der ihrer Heimat beraubten Vertriebenen. Natürlich erschien nun auch wieder in regelmäßigen Abständen die so erfolgreich gewesene Beilage „Heimatspiegel“ „als echte Chronik der Heimat“.

Gedruckt wurde die Zeitung in einem ehemaligen Stallgebäude der Reitzenstein-Kaserne. Das Gutenberghaus an der Ecke Roon- und Luisenstraße konnte erst 1958 gebaut und bezogen werden.

Fast 14 Jahre erschien der General-Anzeiger, ehe er ab dem 1. August 1964 sein Erscheinen einstellte. Heinrich Peitsch begründete dieses mit dem Mangel an Fachkräften

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