DVD: Rheinübergang 1945 Luftlandung

Zum 75. Jahrestag der Zerstörung Wesels gibt das Stadtarchiv in seiner Reihe „Studien und Quellen zur Geschichte von Wesel" erstmals eine DVD-Edition heraus.
Neun Filmdokumente aus dem Jahr 1945 zeigen den Rheinübergang am Niederrhein und die Luftlandung bei Wesel. Die Fundstücke stammen aus amerikanischen, britischen und kanadischen Archiven; sie vermitteln die damalige Sichtweise jener Nationen, deren Truppen am Niederrhein gegen die deutschen Einheiten kämpften. Die vorletzte deutsche Wochenschau erwähnt die militärischen Ereignisse im Raum Wesel ebenfalls - und so kann hier zusätzlich die Perspektive der deutschen Propaganda in einem Filmausschnitt präsentiert werden.

Historischer Hintergrund

Der Rheinübergang und die Luftlandung am Niederrhein waren gewaltige militärische Unternehmen der Alliierten. Als sie am 23./24. März 1945 über den Rhein angriffen, hatte ihr Vorgehen auch Signalwirkung. Mit der Überwindung des Rheins rückte der Sieg über Hitlers Deutschland in greifbare Nähe. Deshalb schilderten damals amerikanische und kanadische Wochenschauen und Filmberichte ausführlich über die Erfolge der alliierten Armeen.
Der Historiker Alexander Berkel hat für das Stadtarchiv Wesel eine Auswahl historischer Filmdokumente aus dem Jahr 1945 zusammengestellt, die einen Einblick in die alliierte Sichtweise und Darstellung erlauben.

Filmmaterial

von links: Dr. Martin Roelen (Stadtarchiv), Heiko Suhr (Stadtarchiv), Doris Rulofs-Terfurth (Stadtarchiv), Alexander Berkel (Historiker, Journalist), Kulturdezernent Rainer Benien und Bürgermeisterin Ulrike Westkamp

Alexander Berkel hat sich in amerikanischen, britischen und kanadischen Archiven auf die Suche nach Filmausschnitten gemacht, die den Rheinübergang und die Luftlandung am Niederrhein festgehalten haben. Unter anderem suchte er in Washington und in London im berühmten britischen Imperial War Museum. Einige Sequenzen waren in anderen Filmen „versteckt". Nur ein geschultes Auge kann auf Anhieb erkennen, dass die Aufnahmen aus Wesel stammen.
Das Stadtarchiv hat die Filmrechte erworben.

Die meisten Filme sind geschnitten mit Ton und Originalkommentar. Diese wurden für diese DVD mit deutschen Untertiteln ergänzt. Grundsätzlich fällt auf: Es wurde viel gefilmt bei den militärischen Aktionen am Niederrhein. Was für eine Materialmenge und Arbeit hinter diesen Filmen steckt, merkt man, wenn man bedenkt, dass die 16mm Kameras damals mit Handaufzug betrieben wurden und man Filmspulen mit 30 Metern Film nutzte - das langt für eine Filmaufnahme von zweieinhalb Minuten.
Bei einigen Filmen handelt es sich allerdings um „rohes" Filmmaterial - das heißt, es ist stumm und ungeschnitten. Die Aufnahmen wurden von Herrn Berkel in eine sinnvolle Reihenfolge gebracht und mit deutschen Kommentartexten versehen - die Texte erklären den Kontext der Bilder und erzählen, was damals geschah.

Besonderheit: Farbfilm und Churchill am Niederrhein

Bei diesen letztgenannten Filmen ist der Film Nr. 5 eine Besonderheit: Die US-Luftlandung bei Wesel in amerikanischen Farbaufnahmen. Auch er entstand aus Material, das ungeschnitten und unveröffentlicht war. Für das sogenannte „Special Film Project" filmten Kameraleute der US Army Air Forces an allen Fronten. Auch vor und während des Einsatzes amerikanischer Luftlandetruppen bei Wesel am 24. März 1945 waren sie dabei. Dieser Farbfilm erzählt fast die komplette Geschichte der Luftlandung aus amerikanischer Sicht.
Film Nr. 6 ist ebenfalls ein besonderes Fundstück: Churchill und die „Wacht am Rhein"
Berühmt sind die Fotos von der Wacht am Rhein mit dem britischen Premierminister Winston Churchill auf dem Balkon und seine Besichtigung der zerstörten Eisenbahnbrücke. Hier werden die „Bilder zum Leben" erweckt. Das Ausgangsmaterial war ohne Ton und die Bilder der ursprünglichen Filmrolle waren völlig ungeordnet aneinandergeschnitten. Alexander Berkel hat sie für diese DVD erstmals in der richtigen Reihenfolge zusammengefügt. Sie zeigen nun, wie Churchills Tagesprogramm am 25. März aussah: Er trifft den US-Oberkommandierenden General Eisenhower im US-Hauptquartier in Kamp-Lintfort. Gemeinsam mit dem britischen Feldmarschall Montgomery fahren sie nach Büderich zum Aussichtspunkt am Haus „Wacht am Rhein", danach erklimmt Churchill die zerstörte Weseler Straßenbrücke.

Publikationen zum Thema

Das Stadtarchiv setzt sich seit 25 Jahren inhaltlich immer wieder mit der Zerstörung und den Folgen für die Stadt Wesel vor 75 Jahren auseinander. So reiht sich diese Film-Edition in die Reihe der Publikationen ein:
- Jutta Prieur: Heimatfront Wesel,1994
- Alexander Berkel: Krieg vor der eigenen Haustür, 1994, Nachdruck 2004
- Prieur/Berkel: Wesel vor 50 Jahren. In Schutt und Asche, Video 1995, Neuauflage: Wesel vor 60 Jahren, DVD 2004
- Annegret Dahmen/Doris Rulofs-Terfurth: In Schutt und Asche, Dokumentation, 1995
- Zerstörung und Wiederaufbau der Stadt Wesel, Kolloquium mit Zeitzeugen und Wissenschaftlern, 2010

DVD

Die DVD enthält insgesamt neun Filme. U. a. ist die vorletzte deutsche Wochenschau vom 16. März 1945 zu sehen. Diese beschreibt mit einem lapidaren Satz „Das Gros der deutschen Armeegruppe hat mit allen schweren Waffen den Strom überschritten" den Rückzug der letzten deutschen Einheiten am 10. März bei Wesel auf das rechte Rheinufer.
Ein 12-seitiges Booklet gibt eine kleine Zusammenfassung der Filme.
Die DVD mit einer Laufzeit von 81 Minuten (in Filmspulen umgerechnet sind das fast ein Kilometer Film) ist ab Samstag, 15. Februar 2020, für 17 € in den Weseler Buchhandlungen, bei der Stadtinformation, im Stadtarchiv aber auch bei der Gedenkveranstaltung im Rathaus erhältlich.
Die 1. Auflage beträgt 1.500 Exemplare.

Insgesamt kostet das Filmprojekt ca. 13.000 Euro. Allein die Filmrechte der historischen Ausschnitte kosten knapp 3.800 Euro.

Links

Kontakt

Frau Rulofs-Terfurth
Telefon: 02 81 / 1 64 53 96
E-Mail: archiv@wesel.de
Herr Suhr
Telefon: 02 81 / 16 49 90 85
E-Mail: archiv@wesel.de