Ernest Kolman wird Ehrenbürger der Stadt Wesel (Meldung aus dem Archiv)

Einstimmig beschloss der Rat der Stadt Wesel in seiner Sitzung am 26.4.2016, Ernest Kolman, der am 1. Juni 90 Jahre alt wird, die Ehrenbürgerwürde der Stadt zu verleihen. Die Sondersitzung des Rates zur Verleihung findet am Samstag, 11. Juni 2016, 11.00 Uhr, im Rathaus der Stadt Wesel statt.

Höchste Auszeichnung

Das Ehrenbürgerrecht ist die höchste Auszeichnung, die die Stadt Wesel zu vergeben hat. Mit Ernest Kolman soll ein Mann geehrt werden, der sich seit vielen Jahren für die Erinnerungsarbeit an den Holocaust und an die ehemalige jüdische Gemeinde in Wesel einsetzt.
Ernest Kolman, geboren am 1. Juni 1926 in Wesel als Ernst Kohlmann, ist der letzte männliche noch lebende ehemalige Bürger Wesels jüdischen Glaubens.

Er kam als Sohn von Martin und Frieda Kohlmann zur Welt und lebte bis 1934 in Wesel. Martin und Frieda Kohlmann betrieben in Wesel ein Textilgeschäft. Von Wesel zogen seine Eltern mit ihm und seiner älteren Schwester Margrit 1934 nach Köln.
Hier besuchte Ernst Kohlmann zunächst die städtische israelitische Volksschule. Danach wechselte er auf das jüdische Realgymnasium Jawne.
Am 18. Januar 1939 kam Ernst Kohlmann im Alter von 12 Jahren mit dem ersten Kindertransport, organisiert vom Realgymnasium Jawne, nach England. Seine Eltern hat er nie wiedergesehen. Sie wurden am 4. Dezember 1941 aus Köln deportiert und im Juli 1944 in Riga ermordet. Seine ältere Schwester Margrit Kohlmann überlebte die Deportation nach Riga und weitere Konzentrationslager. Sie lebt heute in den USA.

Ernst Kohlmann wuchs bei verschiedenen Gasteltern in England auf und erlernte den Beruf des Malers und Dekorateurs.

1947 wurde er britischer Staatsbürger und anglisierte seinen Namen in Ernest Kolman. Mit seiner Frau Eve, die 2013 verstarb, bekam er zwei Kinder.

Verdienste

Seit 1988 - der ersten offiziellen Einladung der Stadt an ihre ehemaligen jüdischen Bürgerinnen und Bürger - hat Ernest Kolman Wesel mehr als 30 Mal besucht. Günter Faßbender, Stadtdirektor a.D. und Gründer des Jüdisch-Christlichen Freundeskreises Wesel e.V., hat Ernest Kolman als herausragende Persönlichkeit in den Beziehungen der Stadt Wesel zu ihren ehemaligen jüdischen Mitbürgern bezeichnet.

Ernest Kolman sieht es als seine Pflicht an, über das Leid, das ihm und seiner Familie und Millionen anderer Menschen von den Nazis angetan wurde, zu informieren. Ein besonderes Anliegen ist ihm, mit jungen Menschen über den Holocaust zu sprechen und sie für die Geschichte zu sensibilisieren. Regelmäßig besucht er Weseler Schulen und spricht als Zeitzeuge über die Zeit des Nationalsozialismus. Er setzt sich für Toleranz und Völkerverständigung ein und erhebt seine Stimme gegen Fremdenfeindlichkeit und Rassismus.

Durch sein persönliches Engagement ist die Rolle jüdischer Soldaten im Ersten Weltkrieg in Wesel beleuchtet worden. Er hat dafür gesorgt, dass die Gedenktafel, die an gefallene deutsche Soldaten jüdischen Glaubens erinnerte, erneuert und auf dem  Friedhof an der Caspar-Baur-Straße angebracht wurde.

Ernest Kolman hat durch seine Besuche in Wesel für die Erinnerungs- und Versöhnungsarbeit wichtige Impulse gegeben und Brücken gebaut.

Für sein außerordentliches Engagement ist ihm die Stadt zu großem Dank verpflichtet.

In Anerkennung seiner Verdienste um die Erinnerungs- und Versöhnungsarbeit wird ihm am Samstag, 11. Juni 2016 um 11.00 Uhr im Ratssaal die Ehrenbürgerwürde verliehen.

Ernest Kolman in der Ausstellung über KindertransporteDas Foto zeigt Ernest Kolman im Jahr 2013 beim Besuch einer Ausstellung in Köln über die Kindertransporte nach England. Er steht vor der Ausstellungstafel, auf der sein Lebenslauf und sein Schicksal dargestellt sind.

 

 

            

Kontakt

Frau Cornelißen
Telefon: 02 81 / 2 03 23 15
E-Mail: buero-der-buergermeisterin@wesel.de