Fassadenprogramm in der Weseler Innenstadt - Spedition Ridder

von links: Patrick Kathage (Bauelemente Zentrum GmbH), Susanne Gawlik (Stadt Wesel – Städtebauförderung), Thea Wißen (Auszubildende Stadt Wesel), Ingo Bülow (Malermeister), Rochus Berger (Architekturbüro), Bürgermeisterin Ulrike Westkamp, Oliver Lemm (Malerbetrieb Ingo Bülow), Jan Ridder (Geschäftsführer der Möbelspedition Ridder), Johannes Opgen-Rhein (Stadt Wesel – Wirtschaftsförderung)

Seit Ende 2012 bietet die Stadt Wesel ein Förderprogramm für private Immobilieneigentümer zur Modernisierung und gestalterischen Aufwertung von Gebäudefassaden im Stadtumbaugebiet Innenstadt an. Eigentümer erhalten für ihr Gebäude kostenfrei eine qualifizierte Beratung durch das beauftragte Planungsbüro StadtLandNet.

Für die anschließende Umsetzung des Modernisierungsvorschlags können Fördermittel aus dem Fassadenprogramm beantragt werden. Bezuschusst werden bis zu 30 € je qm umgestalteter Fläche.

Zielsetzung des Konzepts ist die nachhaltige Aufwertung des privaten baulichen Umfelds im erneuerten öffentlichen Raum des Stadtkerns sowie die Sensibilisierung der Eigentümer für die Bedeutung guter Architektur im Stadtbild. Zusammen mit der im Dezember 2012 erlassenen Gestaltungssatzung für die Innenstadt von Wesel ist das Programm ein wichtiger Beitrag zur Bewahrung der durch die Bauten der 50er Jahre geprägten architektonischen Identität der Weseler Innenstadt.

Aufgrund der hervorragenden Resonanz bei den Weseler Immobilieneigentümern sowie des sichtbaren Erfolgs der Maßnahme im Stadtbild wurde das Programm bereits mehrfach verlängert und mit zusätzlichen Fördermitteln ausgestattet. Derzeit gilt der Bewilligungsbescheid des Landes NRW bis Ende 2018. Wegen der weiter anhaltenden Nachfrage wird eine Verlängerung der Städtebaufördermaßnahme für das kommende Jahr beantragt.

Fakten zum Fassadenprogramm:

  • 168 Modernisierungsberatungen
  • 95 architektonische Gebäudeausweise
  • 65 Fassaden (Hausnummern) mit
  • 14.000 qm umgestalteter Fläche
  • Investitionsvolumen aller Fassaden: 1,7 Mio. €
  • Bisher ausgezahlte bzw. noch gebundene Fördergelder für lfd. Maßnahmen: rd. 400.000 €

Spedition Ridder

Das Architektur- Ensemble Bismarckstr. 7-11 wurde 1955 nach Plänen des Weseler Architekten Theo Winterhoff erbaut. Die Speditionsgebäude sind Teil einer zusammenhängend geplanten Blockrandbebauung, die anstelle des kriegszerstör-ten Firmensitzes aus dem 19. Jahrhundert errichtet wurde. Die Fassaden stellen weite Teile der baulichen Fassung von Roon- und Bismarckstraße. Sie sind damit von besonderer Bedeutung für die gestalterische Qualität des dortigen Stadteingangs und die architektonische Identität des Standorts. Auch stehen die Bauten für ein Stück Weseler Wirtschaftsgeschichte. Das 1827 gegründete Familienunternehmen zählt zu den ältesten inhabergeführten Speditionen Deutschlands.

Das Gestaltungskonzept von Architekt Winterhoff sieht für den Firmensitz eine vertikal betonte, streng geometrische Fassade in Anlehnung an die charakteristische Gliederung stattlicher Repräsentationsbauten vor. Die beiden Enden der weit-läufigen Hauptfassade sind nach der Art von Seitenflügeln hervorgehoben und risalitartig erhöht. Mit wenigen Mitteln wie z. B. den zu geschoss-übergreifenden Bändern zusammen gefassten und gruppierten Fensterachsen gelingt dem Entwurfsverfasser eine gestalterische Überhöhung der Fassadenoptik. Durch die prägnante Gliederung entsteht ein starker, skulpturaler Eindruck.

Gelungen ist ein Entwurf, der sich gemäß der neuen Bescheidenheit der Nachkriegsmoderne gestalterisch zurücknimmt, jedoch durch deutliche Bezüge zur repräsentativen Bauform das Selbstverständnis der alteingesessenen Weseler Spedition angemessen zum Ausdruck bringt.

Es handelt sich um einen charakteristischen Nachkriegsentwurf, dessen klare Gestaltungslinie heute noch Bestand hat. Der Bau steht damit beispielhaft für die Architekturqualität des Wiederaufbaus der 50er Jahre in Wesel und ist unbedingt erhaltenswert.

Im Rahmen der Modernisierungsberatung wurde durch das beauftragte Planungsbüro ein Gestaltungsvorschlag für den Gebäudekomplex erstellt, welcher mit Fördermitteln aus dem Fassadenprogramm umgesetzt und nun fertig gestellt wurde.
Das Gestaltungskonzept von StadtLandNet sah die ästhetische und bautechnische Aufwertung der Fassaden vor. Insbesondere sollte die klare Gestaltungslinie des Entwurfs sowie der inzwischen überformte, bauliche Zusammenhang des Architektur-Ensembles wieder sichtbar gemacht werden. Vorbereitung und Begleitung der Umsetzung vor Ort übernahm das Weseler Architekturbüro Rochus Berger.

Die Fassadenflächen der drei Gebäude erhielten einen einheitlichen hellen Anstrich. Die markanten Gliederungselemente wurden kontrastierend in dunklen Grautönen hervorgehoben und können nun wieder ihre vertikal betonende Wirkung entfalten. Statt der weißen Kunststofffenster erhielten die Gebäude schlank profilierte, dunkelgraue Metallfenster nach dem Vorbild der alten Stahlfenster. Störende Bauteile wie behäbige Vordächer und aufgesetzte, horizontale Sonnenschutzelemente wurden entfernt oder durch stilistisch passende, klar geformte Elemente ersetzt. Die Eingänge wurden mit modernen Materialien neu gestaltet. Durch ein einheitliches, auf die Architektur abgestimmtes Konzept für Werbeanlagen und Beleuchtung wird der Zusammenhang der Gebäude weiter gestärkt.

Neben der gestalterischen Aufwertung der Fassaden wurden die Gebäude bautechnisch optimiert. Durch den Einbau neuer Fenster und Türen erfolgte eine deutliche Verbesserung von Schall- und Wärmeschutz.

Fakten zum Objekt „Spedition Ridder:

  • 1.400 qm umgestaltete Fläche unterteilt in drei Bauabschnitte
  • Investitionsvolumen: rd. 200.000 €
  • Förderung: 44.000 €

Damit macht allein das Objekt Ridder rd. 10 % des Volumens des gesamten Fassadenprogramms aus.

Allgemeine Infos zum Förderverfahren

Das Förderprogramm ist zweiteilig. Die Modernisierungsberatung beinhaltet eine ausführliche Beratung durch das beauftragte Planungsbüro. Eigentümer erhalten als Beratungsergebnis den „Architektonischen Gebäudeausweis" mit einem Modernisierungsvorschlag für die Fassade.

In einem zweiten Schritt können Fördermittel aus dem Fassadenprogramm zur Umsetzung des Modernisierungsvorschlags beantragt werden.

Die Modernisierungsberatung ist für Eigentümer kostenfrei.

Die Förderung aus dem Fassadenprogramm beträgt 50 % von maximal 60,00 Euro je Quadratmeter umgestalteter Fläche - also max. 30,00 €.

Gefördert werden z. B.:

  • Erneuern von Fassadenoberflächen wie Reinigen, Verputzen oder Streichen
  • Rückbau von Fassadenverkleidungen und Werbeanlagen
  • Restaurierung von Stilelementen
  • Erforderliche Vorarbeiten und Planungskosten

Im Fokus der Modernisierungsberatung steht vor allem die Gestaltungsqualität der Fassaden. Beraten wird jedoch auch zu den Themen energe-tische Optimierung, Nutzungsoptimierung und Lagewertpotenzial.

Links

Kontakt

Frau Gawlik
Telefon: 02 81 / 2 03 23 24
E-Mail: stadtteilplanung@wesel.de
Herr Preis
Telefon: 02 81 / 2 03 22 14
E-Mail: stadtteilplanung@wesel.de