Nie wieder Krieg

Historischer Kontext

Wesel war während des Zweiten Weltkriegs ein wichtiges strategisches Ziel, da hier unter anderem eine Eisenbahnlinie über Münster nach Berlin führte. Zudem liegt Wesel am Rhein; Der Fluss gehört zu den wichtigsten Schifffahrtsstraßen Europas.
Hitler hatte die Stadt – wie andere Städte auch –  zur Festung erklärt, was ihren militärischen Charakter betonte.
Im Februar 1945 bombardierte die alliierte Luftwaffe die Stadt. In mehreren Wellen warf sie Bombenteppiche und zerstörte große Teile der historischen Innenstadt sowie angrenzende Wohngebiete im ehemaligen Festungsbereich.
Nach dem Angriff flüchteten Menschen in Scharen aus der brennenden Stadt. Die Straßen lagen voller Schutt. Die Brände konnten wegen Wassermangels nicht gelöscht werden.
Weitere Bombardements folgten - zuletzt am 23. März 1945. Die Stadt war zu 97 Prozent zerstört.
Bei den Angriffen starben mehr als 600 Zivilisten, zahlreiche Zwangsarbeiter, italienische Militärinternierte und mindestens 728 Soldaten.
Dass nicht noch mehr Zivilisten starben, lag an der bereits 1944 einsetzenden Evakuierung vornehmlich von Müttern mit Kindern, unter anderem nach Mitteldeutschland.

Gedenken an die Zerstörung Wesels -  „Nie wieder Krieg“

von links: Heike Kemper (Stadt Wesel), Kreisdechant Stefan Sühling (Katholische Kirchengemeinde Sankt Nikolaus), Dr. Barbara Rinn-Kupka (wiss. Mitarbeiterin des Städt. Museums), Superintendent Thomas Brödenfeld (Evangelische Kirchengemeinde Wesel), Heiko Suhr (komm. Leiter des Stadtarchivs), Bürgermeisterin Ulrike Westkamp und Kulturdezernent Rainer Benien

Im Februar 2020 jährt sich die Zerstörung der Stadt Wesel zum 75. Mal.
Die SPD-Fraktion hatte im Mai 2019 angeregt, im Gedenken an die Zerstörung ein deutliches Zeichen für Frieden und Völkerverständigung zu setzen.
Einstimmig fasste der Ausschuss für Kultur und Stadtmarketing im Oktober den Beschluss, ein Gedenkwochenende unter dem Motto „Nie wieder Krieg“ zu veranstalten. Dazu wurden Mittel in Höhe von 16.000 Euro bereitgestellt.

Programm

Freitag, 14. Februar \ 19.30 Uhr

„Verleih uns Frieden" - Konzert der Castle Singers in der Kirche „Zu den Heiligen Engeln - Engelkirche"
Am Kirchplatz 3, 46485 Wesel
Veranstalter: Katholische Kirchengemeinde Sankt Nikolaus Wesel

An einem besonderen historischen Ort begrüßen die Bürgermeisterin der Stadt Wesel, Ulrike Westkamp, und der leitende Pfarrer der Kirchengemeinde St. Nikolaus Wesel, Stefan Sühling. Die Castle Singers aus Emmerich bieten unter Leitung von Conny Burgers ein internationales und abwechslungsreiches Programm mit Werken von Purcell, Mendelssohn-Bartholdy und Gjeilo. Der Eintritt ist kostenlos. Es wird um eine Spende gebeten.

Samstag, 15. Februar \ 11 Uhr

Empfang der Stadt Wesel im Ratssaal
Klever-Tor-Platz 1, 46483 Wesel

Mit diesem Empfang erinnert die Stadt Wesel an ihre fast vollständige Zerstörung im Februar 1945. Die Gedenkstunde steht unter dem Thema „Nie wieder Krieg". Der TV-Journalist und Historiker Alexander Berkel, gebürtig aus Wesel, informiert über das damalige Geschehen. Er schlägt einen Bogen zur heutigen politischen und gesellschaftlichen Diskussion. Ausschnitte aus einem Film, den das Weseler Stadtarchiv in Zusammenarbeit mit Alexander Berkel veröffentlicht, werden gezeigt.

Samstag, 15. Februar \ 14 Uhr

Geschichtstour zum Freiheitsmuseum in Groesbeek, NL
Treffpunkt: Rathaus Wesel, Klever-Tor-Platz 1

Die Geschichtstour führt die Teilnehmenden über Stationen am Niederrhein, die für die Kriegsgeschehnisse 1945 bedeutend waren, zum Freiheitsmuseum in Groesbeek. Begleitet wird die Tour von Alexander Berkel, u. a. Autor des Buches „Krieg vor der eigenen Haustür - Rheinübergang und Luftlandung am Niederrhein 1945", erschienen 2004 im Selbstverlag des Stadtarchivs Wesel.

Sonntag, 16. Februar \ 11 Uhr

Ökumenischer Gottesdienst im Willibrordi-Dom Wesel
Großer Markt, 46483 Wesel

Der Gottesdienst mit Superintendent Thomas Brödenfeld (Evgl. Kirchenkreis Wesel) und leitender Pfarrer Stefan Sühling (Kath. Kirchengemeinde St. Nikolaus Wesel) steht im Zeichen der Mahnung „Nie wieder Krieg". Schülerinnen und Schüler des Konrad-Duden-Gymnasiums haben sich auf Spurensuche begeben und erinnern an die Kriegszerstörung 1945. Hinweis: Für die Anreise mit PKW nutzen Sie bitte die Sonderöffnungszeiten der Tiefgarage am Großen Markt am 16.02. von 10 -14 Uhr.

Gäste

Es haben bereits viele Menschen ihr Kommen zu den einzelnen Veranstaltungen zugesagt. Für die Geschichtstour zum Freiheitsmuseum in Groesbeek haben sich zum Beispiel weit mehr als 100 Personen angemeldet. Zwei Busse müssen gemietet werden.

Zu den Gedenktagen wurden auch die Partnerstädte der Stadt Wesel eingeladen. Zugesagt haben:

  • Nick Barber (Bürgermeister - Felixstowe)
  • Mark Jepson (stellv. Bürgermeister Felixstowe)
  • Francis Cotterell (Partnerschaftsvereinigung - Felixstowe)
  • Eheleute Holland (Partnerschaftsvereinigung - Felixstowe)
  • Sabine Blümel (Bürgermeisterin - Salzwedel)
  • Olaf Meining (stellv. Bürgermeister Salzwedel)
  • Ryszard Niedziolka (Bürgermeister - Ketrzyn)
  • Jaroslaw Sachryn (Vorsitzender Wirtschaftsrat - Ketrzyn)
  • Pawel Hause (Bischof - Masuren)

Zudem werden die Eheleute Hilgendorff von der Kreisgemeinschaft Rastenburg erwartet.

Weitere Veranstaltungen / Hinweise

Darüber hinaus finden in diesem Jahr weitere Veranstaltungen, die die Zerstörung Wesels thematisieren, statt:

 

  • Gedenkstunde im Deichdorfmuseum Bislich: Am 24. März 2020, 18.30 Uhr, werden anlässlich der Rheinüberquerung der Alliierten in Bislich interessante Überlieferungen aus dem Museumsbestand gezeigt. Der Eintritt ist kostenlos.
  • Neue Stadtführung: An zwei Sonntagen, 29. März 2020, sowie 11. Oktober 2020, können Interessierte den Stadtführer Hans Boymann zu den noch heute sichtbaren Zeugnissen des 2. Weltkrieges begleiten. Auch Berichte von Zeitzeugen sind Teil der neuen Führung.
  • An beiden Terminen startet die Besichtigung um 15 Uhr und dauert ca. zwei Stunden. Die Teilnahme kostet sechs Euro pro Person.

Das Stadtarchiv Wesel veröffentlicht zusammen mit dem aus Wesel stammenden ZDF-Journalisten Alexander Berkel einen Film anlässlich der Bombardierung Wesels. Wer möchte, kann den Film „Rheinübergang 1945 Luftlandung“ beim Stadtarchiv, im Buchhandel und bei der Stadtinformation kaufen.

Denkmäler, die an die Zerstörung Wesels erinnern

In Wesel gibt es zahlreiche Denk- und Ehrenmäler (41). In besonderer Weise erinnern einige Denkmäler an die grausame Deportation und Ermordung Weseler Bürgerinnen und Bürger jüdischen Glaubens. Dazu zählen:

  • Stolpersteine (134)
  • Jüdisches Mahnmal am Willibrordi-Dom
  • Bronzetafel am Rathaus

Einige gedenken auch der Opfer des Zweiten Weltkriegs, unter anderem:

  • Innenstadt:
  1. Trauernde Vesalia
  2. Mahnmal für die Opfer von Krieg und Gewaltherrschaft
  3. Mahnmal für die Vermissten und Gefangenen
  • Fusternberg:
  1. Ehrenmal am Lilienveen
  • Büderich:
  1. Mahnmal zur Erinnerung an das Kriegsgefangenenlager in Wesel-Büderich
  2. Denkmal für die Gefallenen des Ersten und Zweiten Weltkrieges
  • Ginderich:
  1. Kriegerdenkmal zum Gedenken an Gindericher Gefallene im Ersten und Zweiten Weltkrieg
  • Bislich:
  1. Kriegerdenkmal für die Toten der beiden Weltkriege
  2. Pieta
  • Blumenkamp:
  1. Mahnmal am Kormoranweg
  • Diersfordt
  1. Soldatenfriedhof am Sandkamp
  • Flüren:
  1. Ehrenmal für Flürener Gefallene im Ersten und Zweiten Weltkrieg
  • Obrighoven-Lackhausen:
  1. Kriegerdenkmal an der Birkenstraße

Liberation Route

Die Liberation Route Europe ist eine Route des Gedenkens, die bedeutende Wegmarken der Zeitgeschichte touristisch und historisch miteinander verknüpft. Sie verbindet die Regionen, durch die die Westalliierten von Großbritannien zur Küste der Normandie und über den Rhein bis nach Berlin kamen. Geplant ist eine Verbindung der einzelnen Wegmarken durch einen internationalen Wanderweg, für den der bekannte Architekt Daniel Libeskind bereits Markierungen geschaffen hat. So sollen Freiheit, Harmonie und Frieden des starken europäischen Netzwerks der Liberation Route auch symbolisch verdeutlicht werden.

Auch in Wesel sollen Wegmarken aufgestellt werden. Dazu gehören Hörstationen, die fest installiert werden. In Wesel wird dabei die Geschichte der Rheinüberquerung der Alliierten und insbesondere der Aufenthalt des damaligen britischen Premierministers Winston Churchill an der „Wacht am Rhein“ im März 1945 erzählt. Die Wegmarken kosten jeweils ca. 9.000 Euro.

Der Ausschuss für Kultur und Stadtmarketing entschied einstimmig, dass die Hörstation an der Wacht am Rhein in Büderich aufgestellt wird. Gefördert wird das Projekt vom Ministerium für Heimat, Kommunales, Bau und Gleichstellung des Landes Nordrhein-Westfalen mit insgesamt 75.000 Euro für zehn Hörstation; eine davon ist die Hörstation „Wacht am Rhein“.

Mögliche weitere Hörstationen in Wesel sollen mit finanzieller Hilfe von Sponsoren aufgestellt werden.

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