Rege Beteiligung an der sechsten Stolpersteinverlegung in Wesel. (Meldung aus dem Archiv)

Gunter Demnig verlegt die Stolpersteine für Familie LeyensAm 29. April wurden in Wesel elf neue Stolpersteine des Kölner Künstlers Gunter Demnig verlegt.

Am Nordglacis 7 startete die diesjährige Aktion unter Beteiligung vieler Spender und interessierter Bürger. Schülerinnen und Schüler der Klasse 10 der Gemeinschafts-Hauptschule Martini ließen dort die Kaufmannsfamilie Leyens lebendig werden. Besonders hatten sie sich mit dem Schicksal von Helene (Leni) Leyens beschäftigt, die zwar schon früh in die Niederlande geflohen war, dort eine Familie gründete, aber mit ihrem Ehemann Erich Kohnke 1943 in Auschwitz ermordet wurde. Die gemeinsame Tochter Anneke bewahrten sie vor dem sicheren Tod, indem sie sie in die Obhut einer niederländischen Familie gaben. Über Umwege kam Anneke in die USA, wo sie u.a. bei ihrem Onkel Erich Leyens Aufnahme fand. Mit seinem Schicksal hatten sich Schülerinnen des Konrad-Duden-Gymnasiums befasst. Von Privatpersonen wurden die Stolpersteine für die Mutter Clara Leyens und deren weiteren Kinder Heinrich und Margarethe, verwitwete Herzfeld gespendet.

Verlegung der Stolpersteine am Nordglacis

An der Heresbachstraße 29 wurde der Familie des in Ringenberg geborenen Viehhändlers Salomon Marchand  gedacht. Seine Frau Tina, geborene Hartog kam aus St. Job. Das Ehepaar wurde mit seiner Tochter Henriette im Dezember 1941 von Düsseldorf nach Riga deportiert, wo sich ihre Spuren verlieren. An ihr Schicksal erinnerten Schülerinnen der Gesamtschule am Lauerhaas, die auch einen Stolperstein spendeten. Die Kosten der beiden anderen Steine übernahm die Hauseigentümerin, die Wohnungsbaugenossenschaft Wesel eG.

Weiter ging es dann zur Johann-Sigismund-Straße 2, wo das Ehepaar Manfred und Grete Oppenheimer, geb. Sieger lebte, bevor sie nach einer dreimonatigen Haft des Ehemannes im Konzentrationslager Dachau, in die USA flüchteten. Der Stolperstein für Grete Oppenheimer wurde vom Andreas-Vesalius-Gymnasium gespendet. Schülerinnen erinnerten an das Schicksal von Grete, die ihre Vorgängerschule besuchte. Der Jüdisch-Christliche Freundeskreis Wesel e.V. übernahm die Kosten für den anderen Stein.

Letzter Verlegeort war die Johann-Sigismund-Straße 22. Dort wohnte bis zu seiner Flucht 1933 nach Frankreich der Rechtsanwalt und Notar Walter Bongartz. Er wurde im September 1942 von Drancy nach Auschwitz/Birkenau deportiert und dort ermordet.

Allen Spendern, den Privatpersonen, dem Verein und der Genossenschaft, den Schulen, die der Verlegung beiwohnten und mitgestalteten, und dem ASG, der die Verlegestellen wieder vorbereitete, sei an dieser Stelle noch einmal herzlich gedankt.

Mittlerweile sind in Wesel 84 Stolpersteine verlegt worden – 68 Steine suchen noch einen Spender!

Kannten Sie eine Person/Familie, die Opfer des Nationalsozialismus wurde, und würden gerne dafür einen Erinnerungsstein setzen lassen? Sprechen Sie uns an – für jede Anregung und Hilfe sind wir dankbar.

Ein Stolperstein kostet 120 €, aber auch kleinere Beträge sind herzlich willkommen.

Für weitere Informationen stehen wir Ihnen gerne zu Verfügung.

Kontakt

Frau Rulofs-Terfurth
Telefon: 02 81 / 1 64 53 96
E-Mail: archiv@wesel.de