Baurechtliche Begriffe

Im folgenden werden einige baurechtliche Fachbegriffe erklärt, die Ihnen das Verständnis der Baugenehmigung erleichtern sollen:

 

Abstandsflächen (§ 6 BauO NRW)

Abstandsflächen sind die Flächen, die vor oberirdischen Gebäuden (und anderen Anlagen) freizuhalten sind, wenn die Gebäude nicht unmittelbar aneinander gebaut werden. Die Abstandsflächen dienen in erster Linie der Sicherheit der Gebäude, um die Ausbreitung von Bränden zu verhindern. Darüber hinaus sollen sie die Belichtung (gesunde Wohnverhältnisse) sicherstellen und das soziale Miteinander gewährleisten.

Der Mindestabstand von Grundstücksgrenzen beträgt 3 m. An öffentlichen Verkehrs-, Grün und Wasserflächen darf die Abstandsfläche ausnahmsweise bis zu deren Mitte reichen.

Garagen und überdachte Stellplätze sowie Gebäude mit Abstellräumen und Gewächshäuser dürfen bei Einhaltung bestimmter Längen und Höhen direkt an die Nachbargrenze gebaut werden, wenn sonstige baurechtliche Vorschriften (z. B. Bebauungsplan) nichts anderes regeln.

Arbeitsstätten

Werden Arbeitsstätten geschaffen und somit Arbeitnehmer beschäftigt, so sind zum Schutze der Arbeitnehmer besondere bauliche und technische Anforderungen einzuhalten. Diese betreffen nicht nur den unmittelbaren Arbeitsplatz, sondern auch die notwendigen Sozial- und Sanitärräume.

Aufenthaltsräume (§ 2 und § 48 BauO NRW)

Räume, die dazu bestimmt sind, dass sich in ihnen ständig, also nicht nur vorübergehend, Menschen aufhalten, werden als Aufenthaltsräume bezeichnet. Aufenthaltsräume sind z. B. Wohn-, Kinder-, Schlaf- und Arbeitszimmer, Küchen usw. Keine Aufenthaltsräume demgegenüber sind Bäder, WC’s, Hobbyräume, Abstellräume usw.. An Aufenthaltsräume werden konkrete Anforderungen gestellt, so dass keine gesundheitlichen Beeinträchtigungen eintreten können.

Diese Anforderungen sind eine Mindesthöhe (im Regelfall 2,40 m) der Räume, Fenster, die mindestens 1/8 der Grundfläche aufweisen und ausreichende Rettungswege (wichtig bei Aufenthaltsräumen im Keller- und Dachgeschoss).

Brandschutz (§ 17 u. a. BauO NRW)

Speziell dem Brandschutz sollte jeder Bauherr und Architekt einen hohen Stellenwert einräumen, da es um Ihre eigene Sicherheit geht. Um der Entstehung von Feuer und Rauch wirksam entgegenzutreten, sind Anforderungen an das Objekt auf dem Grundstück, an die einzelnen Bauteile (Wände, Decken, Dächer usw.) und die Materialien gestellt worden. Auch die funktionelle Aufteilung der Räume im Haus und deren Erreichbarkeit im Falle eines Brandes ist zu berücksichtigen.

Für Wohngebäude ist je nach Verfahrensart (genehmigungsfrei, genehmigungspflichtig) und Größe des Objekts unterschiedlich geregelt, ob der Bauvorlageberechtigte den baulichen Brandschutz garantiert oder ob zusätzlich noch Prüfungen und Bescheinigungen eines staatlich anerkannten Sachverständigen erforderlich sind.

Durch die Lage des Bauobjektes und dessen Nutzung kann sich die Erforderlichkeit einer besonde-ren Brandvorsorge ergeben.

Geschosse/Vollgeschosse (§ 2 BauO NRW)

Gebäudeebenen werden als Geschosse bezeichnet (Ausnahme: Dachräume, in denen keine Aufenthaltsräume möglich sind, sogenannte Spitzböden). Geschosse, deren Deckenoberkante im Mittel mehr als 1,60 m über die Geländeoberkante hinausragt und die eine lichte Höhe von min-destens 2,30 m aufweisen, werden als Vollgeschosse bezeichnet. Dachgeschosse sind dann Vollgeschosse, wenn sie bei geneigten Dachflächen über mehr als ¾ der Grundfläche des darunter liegenden Geschosses eine Höhe von 2,30 m aufweisen. Bei Staffelgeschossen muß dieses Verhältnis 2/3 betragen.

Kampfmittel (§ 16 BauO NRW)

Baugrundstücke müssen auch im Hinblick auf ihre Kampfmittelfreiheit für bauliche Anlagen geeignet sein. Dies ist vor allem von Bedeutung bei Bauvorhaben auf Grundstücken, die in Bombenabwurfgebieten oder in ehemaligen Hauptkampfgebieten des zweiten Weltkrieges liegen und bei denen nicht unerhebliche Erdeingriffe vorgenommen werden. Große Teile von Wesel sind hiervon betroffen, so dass eine Abklärung hinsichtlich etwaiger Kampfmittel erforderlich ist.

Sowohl beim städtischen Ordnungsamt als auch bei der Bauaufsicht kann überprüft werden, ob Ihr Baugrundstück innerhalb der betreffenden Gebiete liegt. Dies sollte rechtzeitig vor Ihrer Bauabsicht geschehen, weil die Bauaufsichtsbehörde weder bei den genehmigungsfreien Wohngebäuden, Stellplätzen und Garagen einschließlich ihrer Nebengebäude und Nebenanlagen noch beim vereinfachten Genehmigungsverfahren eine Prüfung durchführt.

Rettungswege

Jede Nutzungseinheit ist so anzulegen, dass sie aus jedem Geschoss über mindestens 2 Rettungswege unabhängig voneinander erreichbar ist.

Diese Forderung soll garantieren, dass im Brandfalle mindestens ein Rettungsweg zur Verfügung steht. Der erste Rettungsweg führt in der Regel durch einen eigenen Treppenraum (Ausnahme: Gebäude mit nicht mehr als 2 Wohneinheiten). Der zweite Rettungweg kann je nach Gebäudenutzung und Höhe ein von der Feuerwehr anleiterbarer Bereich sein, der von den zu rettenden Personen sicher erreicht werden kann.