Bedeutung des Stadtnamens

Wappen der Stadt Wesel

Deutungen des Ortsnamens Wesel gibt es seit etwa 350 Jahren. Der bekannte Weseler Prediger und Historiker Hermann Ewichius erklärte 1668 den Namen als „Stadt am Wieselwald", womit er den Weseler Wald meinte und sich auf das niederdeutsche Wort für Wiesel „Wesel" bezog. Neben dieser volksetymologischen Deutung, die auch die Wiesel im Weseler Wappen erklären, glaubte im späten 19. Jahrhundert ein namenloser Forscher, der Name sei keltischen Ursprungs und bedeute „Wasserbogen" oder „Wasserwinkel". Zwei Weseler Gymnasiallehrer aus der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts, Karl Westermann und Adolf Langhans, boten als Lösung „Herrenhof in der Wiese" bzw. „Wiesenniederung" oder „Wiesengut" an. Die bekannten Namenforscher Adolf Bach und Heinrich Dittmaier deuteten Wesel als „an der sumpfigen Flusswiese". Die Erklärung von Rainer Neu aus dem Jahre 2003, der Ortsname könnte „geweihter, heiliger Ort" bedeuten, erzeugte Widerspruch und damit eine neue namenkundliche Diskussion. Zwei Jahre später vertrat der Philologe Paul Derks die wohlfundierte Ansicht, der Name Wesel sei von den Wieseln abzuleiten, die auf dem Gebiet des historischen Stadtkerns Wesels in prähistorischer Zeit übermäßig häufig vorkamen. Diese Erklärung wird von anderen Namenforschungen, so von Frieda Steurs, Wolfgang Haubrichs und Kirsten Casemir, abgelehnt. Die beiden letztgenannten halten es für möglich, dass in dem Ortsnamen ein sehr alter Flussabschnittsname („Wi", „Wis" oder "Wisa") enthalten sein könnte. Wesel wäre somit zu deuten als „der bewohnte Ort/die Stelle an oder in der „Wi"/ „Wis"/"Wisa".

Literatur:
Evertz, Winfried: Wie die Stadt Wesel zu ihrem Namen kam. Neue Erkenntnisse zur Deutung des Ortsnamens, in: Wesel und der untere Niederrhein. Beiträge zur Rheinischen Geschichte, hrsg. von der Historischen Vereinigung Wesel e.V., Wesel 2015, S. 215-223