Stichtag: 02. Februar 1936 - Altenheim wird in der Komturei eingeweiht

Die katholische Ordensgemeinschaft der Johanniter war seit dem Jahre 1297/98 in Wesel ansässig. Sie wurde vom Stifter des Hospitals zu Wesel, Heinrich van Lone, mit der Betreuung dieses Hospitals, das in der Straße Am Katzenberg lag, betreut. Die Johanniter übernahmen das Hospital, obwohl der Stifter als schwieriger und eigenwilliger Verhandlungspartner galt. Das Hospital blieb als Gasthaus St. Johann stets eine eigenständige Stiftung, an dem die Johanniterkirche angebaut war und neben dem sich die Toreinfahrt der Johanniter befand. Sie verfügten über ein beachtliches Grundstück, dass unter dem Komtur Johan Cruse († 1432) bis zum Jahre 1418 repräsentativ bebaut wurde. Der zweigeschossige Ordensrempter auf der Nordseite des Innenhofs bestand aus zwei übereinanderliegenden großen Sälen, die über einen außen liegenden Treppenturm verbunden waren. Gegenüber lag die Kirche, im Norden und Süden befanden sich die Wohn- und Wirtschaftsräume der Komturei. Die Johanniterkommende wurde 1806 aufgehoben. Die Gebäude nutzte ab 1815 die preußische Militärverwaltung als Proviantamt, nachdem auf dem Kirchhof schon im 18. Jahrhundert ein Kornmagazin errichtet worden war. Die Adresse des Proviantamtes, in dem sich auch einige Dienstwohnungen befanden, lautete anfangs Johannisstraße 95, nach 1900 Fluthgrafstraße 1.

Küsterei und Ostflügel vor der Restaurierung

Nach dem Ersten Weltkrieg musste aufgrund des Friedens von Versailles das Militär Wesel räumen. Das Proviantamt war eines im Gegensatz zu den von vielen leer stehenden Weseler Militärgebäuden, das noch mindestens ein Jahrzehnt vom Reichsverpflegungsamt genutzt wurde. Es wurde anscheinend in den 1930er Jahren an die von der Stadt verwaltete Hohehausstiftung verkauft. Diese wollte die Komturei zu einem Altenheim umbauen. Dem Baugesuch vom 10. Mai 1935 nach waren im Äußeren und Inneren erhebliche bauliche Änderungen erforderlich. Das Äußere wurde dem Erscheinungsbild des benachbarten Herzogsschloss angepasst. Das Gebäude an der Straße Am Katzbach wurde mit dem Ordensrempter verbunden. Dieser sollte durch Aufstockung des Daches seine ursprüngliche gotische Form wieder erhalten. Im Keller des Remters wurde die Küche untergebracht und mittels Lichtschacht längs des Gebäudes belichtet. Die nicht unterkellerten Gebäude erhielten einen Keller, wobei im langen Gebäude Am Katzbach der notwendige Luftschutzkeller entstand. Die Innenwände wurden in Schwemmstein bzw. Heraklith ausgeführt. Die Fußböden wurden belassen, so dass aus Schallschutzgründen die Holzdecken mit Dämmmaterial versehen wurden. Beheizt wurde das Altenheim mittels einer Warmwasserheizung. In den drei Flügeln konnten auf drei Etagen 73 Alte, sechs Schwestern und sechs Hausangestellte untergebracht werden. Das Erdgeschoss des Remters war in einen Tagesraum für Frauen und einen solchen für Männer aufgeteilt. Über einen Speiseaufzug gelangte das Essen von der Küche in den größeren Tagesraum. Einen Personenaufzug gab es im Ostflügel, vor dem Remter.

An der Fluthgrafstraße lag der Haupteingang. Er führte ganz rechts in den Remter. Rechts daneben gab es noch einen weiteren Eingang am Nordgiebel des Wirtschaftsgebäudes. Beide Eingänge führten zu Treppenhäusern, deren Holztreppen unterseitig verputzt waren. Die massive Wendeltreppe im Treppenturm war als Notausgang ausgewiesen.

Auch die Johanniterkirche wurde renoviert; sie war jedoch nicht Teil des Altenheims, sondern wurde von der Hitlerjugendführung als Feierraum genutzt.

Die Umbaumaßnahmen, die von der Stadt getragen wurden, betrugen mehr als 200.000 Reichsmark und waren im Wesentlichen im Dezember 1935 abgeschlossen. Am 2. Februar 1936 wurde das neue Heim eingeweiht. 46 Alte, die bislang im städtischen Krankenhaus untergebracht waren, konnten nun einziehen.

Zerstörte Johanniterkirche samt Komturei (1946/47)

Dem Altenheim war keine lange Zeit beschieden. Die Komturei wurde im Februar 1945 schwer beschädigt. Die Ruine, die man noch lange Jahre zu retten versuchte, wurde in den späten 1960er Jahren abgebrochen.

 

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