Stichtag: 02. September 1595 - Gefecht bei Spellen

Darstellung des Gefechts bei Wesel in Hogenbergs Geschichtsblättern 1595

Der Achtzigjährige Krieg (1568-1648) zwischen den Spaniern und den abtrünnigen Niederlanden - den sogenannten Generalstaaten - wütete in seinen heißen Phasen auch am Niederrhein und im Rheinland und überlagerte hier den Dreißigjährigen Krieg (1618-1648). Aufgrund der politischen wie auch körperlichen bzw. geistigen Schwäche der beiden letzten Landesherren, Herzog Wilhelm von Jülich-Kleve (1539-1592) und Herzog Johann Wilhelm (1592-1609), drangen die beiden Kontrahenten ungehindert unter Verletzung der Neutralität in die Vereinigten Herzogtümer Jülich-Kleve ein. Die Verhältnisse waren politisch und religiös verworren. Herzog Wilhelm hatte eine Tochter des späteren Kaisers Ferdinand - und damit eine Tante des spanischen Königs Philipp - geheiratet. Teile seines Landes wie auch einige seiner Kinder hielten es mit den Protestanten bzw. waren mit protestantischen Fürsten verheiratet. Im Herzogtum selbst boten Städte wie Wesel den vor der spanischen Verfolgung geflohenen calvinistischen Niederländern Schutz - sehr zum Ärger der Spanier, die die Stadt wiederholt bedrohten und belagerten. Die klevischen Stände wie auch die Bevölkerung waren dem Treiben wegen der eigenen politischen wie auch militärischen Schwäche ohnmächtig ausgesetzt.

Porträt des spanischen Reitergenerals Graf Heinrich von dem Bergh (1573–1638)

Auch im Jahre 1595 durchstreiften feindliche Truppen den unteren Niederrhein. Am 20. Mai überfielen Truppen aus den von den Spaniern besetzten Städten Wachtendonk, Geldern und Alpen an der Spellener Landwehr Weseler Kaufleute, die mit ihren Waren zum Jahrmarkt nach Duisburg wollten. Drei von ihnen wurden angeschossen und schwer verwundet, einige entführt und die Waren mitgenommen, worüber man sich beim spanischen Offizier Graf Heinrich von dem Bergh beschwerte.
Im August zog der 91jährige spanische Feldobrist Cristóbal de Mondragón mit 6.000 Fußsoldaten und 1.200 Berittenen an der Stadt vorbei über die Lippe Richtung Süden und bezog gegenüber Rheinberg ein festes Lager. Er hatte gerade das vom niederländischen Statthalter, Prinz Moritz von Oranien, belagerte Groenlo erfolgreich entsetzt. In Wesel löste diese Truppenkonzentration höchste Wachsamkeit aus, zumal sich Mondragón schriftlich beim Rat über feindseliges Verhalten der Stadt beschwerte. Den Spaniern folgte Prinz Moritz von Oranien, der mit seinen Truppen bei Flüren lagerte. Am 2. September überquerte eine niederländische Abteilung unter Graf Philipp von Nassau, einem Cousin von Prinz Moritz, bei Krudenburg die Lippe, um spanische Streifen und Fourageure zu überfallen. Die 520 Reiter starke Truppe geriet ihrerseits unweit der Spellener Heide in einen Hinterhalt. Es kam zu einem heftigen Gefecht, in deren Verlauf die Anführer der Niederländer in Gefangenschaft gerieten: Der junge Kriegsheld Graf Philipp und Graf Ernst von Solms erlagen schwer verwundet im feindlichen Lager ihren Verletzungen, während Graf Ernst Casimir von Nassau unverletzt blieb und nach Rheinberg verbracht wurde. Die Niederländer wurden mit Hilfe von Graf Heinrich von dem Bergh zurückgeworfen. Die Truppe löste sich auf und suchte ihr Heil in der Flucht über die Lippe. Graf Ernst Casimir konnte später gegen ein stattliches Lösegeld von 10.000 Gulden freigekauft werden.

Glücklicherweise kam es zu keinen weiteren Kriegshandlungen. Die feindlichen Truppen belauerten sich noch einige Wochen und zogen dann wegen des nahenden Winters ab. Die bedrohlichen Zustände hingegen dauerten an. Die nächste Kampagne, der nächste Truppenaufmarsch, würde nicht lange auf sich warten lassen.

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