Stichtag: 03. Juli 1668 - Vesalia sive Civitatis

Zu den bedeutenden Weseler Persönlichkeiten des 17. Jahrhunderts zählt der reformierte Prediger Hermannus Ewichius (1601-1673), Pfarrer in Bellinghoven und Xanten (1625-1637) und ab 1637 in seiner Heimatstadt Wesel. Es ist weniger seine geistliche, sondern seine wissenschaftliche Tätigkeit, die ihn aus der Reihe seiner Zeitgenossen hervorhebt. Er galt in seiner Zeit als „antiquarius", als Kenner von römischer Literatur und Geschichte und wirkte nicht nur im Nebenamte von 1650 bis 1652 als Konrektor und Rektor am Gymnasium Wesel, wo er Vorlesungen zur Geschichte abhielt, sondern war weit über die Grenzen der Stadt als Historiker bekannt und gefragt. Von ihm stammen die beiden historischen Karten sowie die ersten gut 90 Seiten in Werner Teschenmachers 1638 in Arnheim erschienenen Annales Cliviae, die Texte zur 1653 erschienen Klever Stadtansicht „Clivopolis" und zur „Topographia Ducatus Clivensis oder Abriß und Beschreibung der weitberuhmbter haubtstätte des Furstenthumbs Cleve sämbt deßen beygefugter Landtaffell".

Im Jahre 1668 erschien schließlich sein letztes Werk, die Beschreibung der Stadt Wesel. Es handelt sich natürlich nicht um ein historisch-kritisches Werk, sondern um eine Zusammenstellung des Materials, welches er im Laufe seines Lebens gesammelt hat. Das Buch enthält keinerlei Anmerkungen, was für so ein Werk ungewöhnlich ist und auf besondere Umstände bei der Abfassung bzw. Drucklegung deutet. Explizit geforscht hat er für dieses Werk nicht. Die ersten zehn Seiten des nur 36 Seiten Text umfassenden Buches beschäftigen sich mit römischer und Reichsgeschichte vor 1000 n.Chr. im Weseler Raum. Der Autor benutzte sowohl gedruckte Literatur als auch Weseler Urkunden und Handschriften und hat sich auch einmal die älteren Stadtrechnungen sowie jüngere Akten angeschaut. Die Funde in den Rechnungen deklarierte er fälscherweise als Erstbelege. Es werden die Weseler Kirchen und Klöster vorgestellt und wichtige Ereignisse der Stadtgeschichte referiert. Die jüngere Kirchengeschichte Wesels nimmt einen breiteren Platz ein, die Ratswahlen werden beschrieben und am Ende präsentiert er Ausschnitte aus seinem Gedicht über seine Vaterstadt Wesel, welches er 1636 für die schon genannten Annalen Teschenmachers verfasst hatte.

Widmung

Bemerkenswert ist die umfangreiche Widmung auf Seite 3. Ewichius widmete sein Buch dem Magistrat und den Gemeinsfreunden, die sogar 150 Exemplare der Ausgabe bezahlt haben, und hatte auch ein persönliches Anliegen: Er bat ausdrücklich um den Schutz der Stadt für sich und seine Angehörigen gegen „jedwede Böswilligen und Verleumder", damit er sich in Ruhe und ohne Sorge der Herausgabe seiner theologischen und sonstigen Schriften widmen kann. Hintergrund dieser Widmung waren die Verdächtigungen, denen er seit 1667 ausgesetzt war. Die Provinzialsynoden zu Wesel und Rees beschäftigten sich 1667 und 1668 mit Ewichius, der „verdächtige Häuser" besucht haben soll. Die Generalsynode in Duisburg, die im Juli 1668 just zum Erscheinen des Buches stattfand, erwartete von dem Beschuldigten, dass er seinen Dienst ruhen ließe. Dieser hatte zuvor schon die Stadt Wesel, seinen Dienstherrn, um Schutz gebeten und tat es mit der Widmung nochmals. Die Herausgabe des Buches hatte anscheinend nur den Zweck, sich den Schutz zu sichern. Der Fall ging bis an das Hofgericht in Kleve, dass im Jahr darauf zugunsten des Verdächtigten entschied, wonach er nicht mehr moralischer Verfehlungen beschuldigt werden durfte. Die Stadt verbot ihm 1670 die Ausübung seines Amtes, woraufhin er einen Schlaganfall erlitt und mit Versorgung in den Ruhestand versetzt wurde.

Wohl aus dem Besitz des Autors ist ein durchschossenes Exemplar auf uns gekommen, in welches allerdings erst viel später, etwa um 1740, auf den Leerseiten zahlreiche Ergänzungen, Erläuterungen und Erklärungen eingefügt wurden.

 

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