Stichtag: 06. Dezember 1813 - Zerstörung Büderichs auf Befehl von Napoleon

Ansicht von Büderich (nach 1630)

Nach der Niederlage in der Völkerschlacht bei Leipzig (16.-19. Oktober 1813) zog sich Napoleon an den Rhein zurück. Für den Niederrhein veranlasste er Anfang November, die Festung Wesel für eine Belagerung vorzubereiten. Die Festung, die seit 1806 mit zwei Forts, Napoleon und Bonaparte, auch über den Strom auf die linke Rheinseite reichte, begann am 5. November mit entsprechenden Maßnahmen. Die Einwohner Wesels wurden angewiesen, in ihren Gärten vor der Stadt die Hecken, Sträucher und Bäume niederzulegen. Drei Tage später wurden zwei Stadttore dauerhaft geschlossen und die Hausbesitzer vor der Stadt angewiesen, ihre in Kanonenschussweite befindlichen Häuser abzubrechen.
Auf der anderen Rheinseite, in Büderich, herrschte dagegen gespenstische Ruhe. Am Hauptwall von Fort Napoleon wurde mit Hochdruck an seiner Schließung gearbeitet. Es gab zwar schon Anfang November Gerüchte, dass Büderich aus militärischen Gründen dem Erdboden gleichgemacht werden muss, aber es passierte nichts. Am 6. Dezember 1813 befahl Napoleon seinem Kriegsminister Henri Clarke, Herzog von Feltre, Büderich niederreißen zu lassen.
Zwei Tage später traf diese Order in Wesel beim Kriegskommissar Jean Rivaud ein. Am 11. Dezember, einem Samstag, wurde mit der Schelle verkündet, dass jeder Einwohner innerhalb von zwei Tagen die Stadt zu verlassen und seinen Besitz in Sicherheit zu bringen hatte. Noch am selben Tag erschien der Kriegskommissar in Begleitung zweier Offiziere, um mit zwei Baukundigen aus Büderich sämtliche Gebäude in der Stadt sowie die innerstädtischen Gärten abzuschätzen. Die Taxierung ergab eine Summe von 799.492,21 Francs. Diese Arbeit dauerte bis zum 16. Dezember. Über den Beginn des Abbruchs gibt es unterschiedliche Angaben. Laut Pastor Rechtmann begannen diese Arbeiten schon am 13. Dezember, dem angekündigten Tag, nach Heimhalt erst am 21. Dezember. Zum Abbruch erschienen 150 Männer - wohl vom Geniekorps - und begannen an der Stadtmauer mit ihrer Arbeit.
Die Büdericher mussten mitten im Winter Karren und Fuhrwerke auftreiben, um ihr Hab und Gut aus der dem Untergang geweihten Stadt herauszubringen, und mussten zugleich eine Unterkunft suchen. Das, was sie nicht mitnehmen konnten - ihre Ernten und ihr Vieh -, versuchten sie vor allem in Wesel zu verkaufen. Angesichts der Eile war man genötigt, die Waren unter Wert zu verkaufen. Das, was sie in Büderich zurücklassen mussten, wurde von französischen Soldaten mitgenommen und teils den Büderichern selbst, teils in Wesel zum Verkauf angeboten.
Am 19. Dezember 1813, dem vierten Sonntag im Advent, wurde letztmals in der schon ausgeräumten Simultanpfarrkirche eine Messe gefeiert. Kurz darauf begannen die Sprengungen. Sie dauerten bis Mitte Januar 1814. Die fieberhaften, ununterbrochenen Abbrucharbeiten forderten auch ihre Opfer unter den Soldaten; ein Offizier und mehrere einfache Soldaten kamen durch die Sprengarbeiten ums Leben. Seit dem 12. Januar 1814 war die Festung Wesel vollkommen blockiert; in Büderich wurden danach noch mindestens eine Woche die Trümmer eingeebnet. Dann war es zu gefährlich für die Franzosen, das Fort zu verlassen und das gründlich zerstörte Büderich blieb sich selbst überlassen.

Festungsentwurf für Büderich (nach 1630)

Die Einwohner versuchten, bei Verwandten und Bekannten unterzukommen. Sie fanden Aufnahme in den umliegenden Orten, so unter anderem in Gest, Elverich, Perrich, Ginderich, Menzelen, Wallach, Borth, Rheinberg, Birten, Alpen, Xanten oder Wesel, wo die vier jüdischen Familien erstaunlicherweise Einlass fanden. Wer keinen Unterschlupf fand, baute sich eine einfache Hütte irgendwo auf dem Feld.
Da die Preußen die Festung Wesel nur blockierten, war der Abbruch des mittelalterlichen Städtchens letztlich sinnlos. Die Preußen, die neuen Herren im Rheinland, untersagten gleichwohl, auf der alten Fläche wieder zu siedeln. Diese Entscheidung war aus militärischen wie ökonomischen Gründen durchaus richtig. Alt-Büderich natürlich lag zu nah am nun Blücher genannten Fort und eine Befestigung dieses Ortes wäre sehr kostspielig geworden. Der preußische Staat wies bereits 1814 einen genehmen Bauplatz an und trug selbst dafür Sorge, dass der Ort bis 1822 an dieser neuen Stelle wieder errichtet wurde.

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