Stichtag: 1. Februar 1902 - Die Tribüne des Weseler Rennvereins wird durch Starkwind beschädigt.

Das Bauernrennen im Jahre 1860.

Zu den sportlichen wie gesellschaftlichen Großereignissen in Wesel zählten seit der Mitte des 19. Jahrhunderts Pferderennen. Bereits für das Jahr 1860 ist eine solche Sportveranstaltung überliefert. Vor den Toren Wesels gab es am 29. Juni nicht nur ein Rennen, sondern auch noch weitere Vorführungen zu Pferde wie Spring- und Dressurreiten. Eine Illustration aus dem Jahre 1860 zeigt die unterschiedlichen Veranstaltungen inklusive einer Tombola sowie die Hauptattraktion, das Rennen, für das eigens eine Tribüne errichtet wurde. Von diesen Veranstaltungen wissen wir lange Zeit nur, dass sie - wohl einmal im Jahr - stattfanden. Wir kennen weder den Veranstalter, den Veranstaltungsort, die Teilnehmer noch den oder die Sieger.

Durch die Aufhebung der Festung im Jahre 1890 setzte in Wesel nicht nur ein allgemeiner Aufschwung ein, den die lang ersehnte Stadterweiterung mit sich brachte. Die Festungswerke fielen und die Stadt konnte sich endlich über sie hinaus ausdehnen. Die rege Bautätigkeit lockte Firmen, Investoren und Architekten an. Bis zum Ausbruch des ersten Weltkrieges gab es einen regelrechten Bauboom. In der zweiten Hälfte der 1890er Jahre gründeten Rennsportbegeisterte einen eigenen Verein, den Weseler Rennverein. Ziel dieses Vereins war es wohl das jährliche, frühsommerliche Pferderennen durchzuführen. Vereinsmitglieder sind kaum überliefert; die jedoch, die namentlich überliefert sind, sprechen eine deutliche Sprache über die Zusammensetzung des Vereins. 1902 saß ihm - wie schon 1899 - der Holzgroßhändler Wilhelm Hoettger vor, zweiter Vorsitzender war der Dampfziegeleibesitzer und städtische Beigeordnete Carl Schmidt, Schriftführer der Bankier Hauptmann a.D. Oswin Grolig und als Rendant fungierte Oberzahlmeister Franz Runte. Beisitzer waren neben dem Prokuristen Alfred Luyken drei in Wesel aktive Offiziere. Schmidt war gleichzeitig Präsident der Weseler Bürger-Schützen, Hoettger sein Vertreter und Grolig ebenfalls Beisitzer.
1899 reichte das Vereinsmitglied Franz Fabry, ein Architekt, der um 1894 als Bauleiter für die Reichsbankfiliale in der Wilhelmstraße nach Wesel kam und vor 1902 die Stadt wieder verließ, einen Bauantrag ein. Der Rennverein plante für sein alljährliches Rennen den Bau einer dauerhaften, überdachten Holztribüne. Sie wurde genehmigt und auf dem Römerwardt in der Nähe des 1896 gebauten Petroleumtankes der Deutsch-Amerikanischen Petroleum-Gesellschaft Bremen errichtet. Das Gelände dieser Firma befand sich nahe der Eisenbahnbrücke am Rhein. Der Römerwardt gehörte der Stadt, die an die genannten Werke ein größeres Areal verpachtet hatte und auch dem Rennverein eine Nutzung der ehemaligen Rheininsel vertraglich eingeräumt haben muss.

Entwurf der Tribüne: Sitzplätze.

Sechs von dem Rennverein veranstaltete Pferderennen auf dem Römerwardt sind überliefert. Sie fanden von 1899 bis 1905 zumeist an einem Sonntag im Frühsommer statt. Die Stadt Wesel unterstützte in diesen Jahren die Veranstaltung mit einem stattlichen Preisgeld. Es lag bei 300 Mark, wofür eine silberne Ehrengabe der Stadt Wesel angeschafft werden sollte. Für ein Radrennen stiftete die Stadt ebenfalls einen Ehrenpreis, der mit 120 Mark nicht einmal halb so hoch dotiert war.

Die überdachte Holztribüne konnte gerade siebenmal bei den Rennen genutzt werden. Am 1. Februar 1902 wurde sie durch einen Sturm erheblich beschädigt. Dieser riss am frühen Nachmittag das Dach ab, das nahe des Petroleumtankes niederfiel. Menschen kamen nicht zu Schaden. Das Dach wurde binnen 14 Tagen wieder repariert. Dem Rennverein war weniger Glück beschieden. Er löste sich am 26. Mai 1906 durch Beschluss der Generalversammlung auf.

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