Stichtag: 14. Oktober 1576 - Der bekannte Humanist, Prinzenerzieher und Diplomat Konrad Heresbach stirbt

Der am 2. August 1496 auf dem Hof Herzbach bei Mettmann geborene Konrad Heresbach besuchte ab dem siebten Lebensjahr Schulen in Werden, Hamm und Münster, wo er den Humanismus und die Devotio moderna kennenlernte. Ab 1512 studierte er in Köln Jura und Theologie und von 1517 bis 1519 in Orléans und Paris Jura. 1519 machte er in Köln die Bekanntschaft Erasmus von Rotterdams, und ging nach Basel, wo er im Hause von Erasmus' Drucker Johannes Froben wohnte. Auf Erasmus' Vermittlung hin wurde er 1521 Professor für Griechisch in Freiburg. Im Jahr darauf promovierte er in Ferrara zum Dr. jur. Anschließend nahm er seine Lehrtätigkeit wieder auf und begann mit der Herausgabe klassischer Texte.

Konrad Heresbach (Stich nach einem Gemälde)

Im Herbst 1523 wurde er Erzieher des Erbprinzen Wilhelm von Kleve. Er wurde religionspolitischer und juristischer Berater des Herzogs sowie 1535 Herzoglicher Rat und galt als einer der führenden Humanisten am klevischen Hof. Als Diplomat verhandelte er die Heirat Annas von Kleve mit Heinrich VIII. von England. In der Reformation war er der Verfechter der via-media-Politik, eines toleranten und eigenständigen Mittelweges. Nach dem Schlaganfall Herzogs Wilhelm V. gehörte er dem „Großen Rat" an, der sukzessive die Regierungsgeschäfte übernahm.

1536 heiratete Heresbach die ehemalige Nonne Mechteld von Duenen (1500-1560), die das auf einer Rheininsel bei Rees-Mehr gelegene Gut Lorward als Wohnsitz mit in die Ehe brachte. Die Ehe blieb ebenso kinderlos wie die 1562 geschlossene Verbindung mit Mechteld van Loe, einer Verwandten seiner 1560 verstorbenen Frau.

Konrad Heresbach gab nicht nur die erwähnten klassischen Texte heraus, sondern verfasste auch zahlreiche bekannte Bücher zu unterschiedlichen Themen, die er in seinem letzten Lebensjahrzehnt in den Druck gab bzw. die seine Erben posthum veröffentlichten. Seine bekanntesten Werke sind der Fürstenspiegel (1570) sowie die Vier Bücher über die Landwirtschaft (1568).

Am 19. August 1557 begründeten die Eheleute Heresbach eine heute noch bestehende Studien- und Aussteuerstiftung. Diese heute in Kalkar, dem Herkunftsort der Frau, beheimatete großzügige Familienstiftung unterstützte zugleich einen Schüler, einen Studenten sowie die Aussteuer eines Mädchens.

Heresbach verfügte über eine etwa 2.000 Bücher umfassende Bibliothek. 1553 versprach er dem Weseler Magistrat, als er mit ihm über die Überlassung zweier Gräber für ihn und seine Frau sowie einer Kirchenbank auf Lebenszeit in der Willibrordikirche verhandelte, die Stiftung einer Bibliothek. Testamentarisch vermachte er der Stadt 1568 insgesamt 453 ausgesuchte Bücher seiner Bibliothek. Die Bibliothek wurde noch zu Lebzeiten in der Kreuzkapelle aufgestellt. In Wesel, wo sein Bruder Tonis, Neubürger des Jahres 1546, lebte, kaufte er 1551 ein Grundstück auf dem Kaldenberg, das wohl auch bebaut wurde.

Konrad Heresbach starb am 14. Oktober 1576 auf Gut Lorward und wurde in der Kreuzkapelle der Willibrordikirche neben seiner ersten Frau beigesetzt; die Kapelle trägt heute den Namen Heresbachkapelle. Seine Grabstätte wurde vertragsgemäß nicht wieder belegt. Die Grabplatte und das Epitaph für seine Frau sind noch heute vorhanden. Seine quasi griffbereit neben dem Grab stehende Bibliothek hatte über die Jahrhunderte gelitten; sie wurde im späten 18. Jahrhundert ins Gymnasium gebracht. Die spärlichen Überreste liegen heute im Stadtarchiv Wesel.

An Heresbach erinnern in Wesel heute noch ein Denkmal am Großen Markt sowie ein Straßenname.

Konrad-Heresbach-Denkmal von Kuno Lange auf dem Großen Markt (1996)

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