Stichtag: 19. Oktober 1974 - Es begann mit der Feuerwehr.

Howard F. Griffiths, Erich Wolsing (2vr), Anton Ridder Brandmeister aus Wesel (r)

Mitte der Sechziger Jahre suchte die Suffolk and Ipswich Fire Brigade einen Austauschpartner im Rheinland. Auf Vermittlung der Deutschen Botschaft in London und des Landschaftsverbandes Rheinland (LVR) nahm im Frühjahr 1965 der britische Chief Fire Officer Howard Griffiths mit Erich Wolsing, Wehrführer der freiwilligen Feuerwehr Wesel, Kontakt auf. Er lud die Weseler Kollegen nach Ipswich ein und bat darum, auch ein modernes Fahrzeug mitzubringen. Da wenig Möglichkeit bestand, die dafür erforderlichen Mittel vom Weseler Rat bewilligt zu bekommen, verwies Landesdirektor Dr. Udo Klausa (LVR) die Feuerwehr an „Internationes“, die Abteilung des Auswärtigen Amtes zur Pflege von Auslandskontakten. Dort wurden sofort Mittel bereitgestellt, so dass man bereits im Juni 1965 nach England fahren konnte. Neben einigen führenden deutschen Feuerwehrmännern der Freiwilligen und Berufsfeuerwehren fuhren aus Wesel der Wehrführer und ein Brandmeister mit einem neuen Fahrzeug nach Ipswich. Der dreitägige Besuch war ein voller Erfolg, der es sogar bis ins britische Fernsehen brachte. Es folgten jährlich gegenseitige Besuche, die schon bald zu festen Freundschaften unter den Feuerwehrleuten führte.

Während des Aufenthaltes im Jahre 1970 erzählte der Bürgermeister von Felixstowe, William Yetton-Ward, bei dem der Weseler Wehrführer Erich Wolsing untergebracht war, er versuche Städte in den Niederlanden für eine Städtepartnerschaft zu gewinnen. Der Bürgermeister ließ sich überzeugen, dass auch Wesel geeignet für eine solche Partnerschaft wäre. Man war sich von Anfang an einig, keine bloß touristische Organisation aufzubauen, sondern wollte sie mit Leben füllen. Man wollte eine durch Aktivitäten innerhalb der beiden Bürgerschaften getragene Partnerschaft. Vereine beider Städte sollten dazu Kontakt aufnehmen. Den Anfang machten die Bürgerschützen und der Karnelvalsausschuss; andere Vereine wie eine Badmintonmannschaft, die Briefmarkensammler oder Chöre folgten, so dass sich in den folgenden Jahren ein reger Besuchsverkehr entwickelte.

Gang der Bürgermeister der Partnerstädte durch die Stadt: Marion Warby und Günther Detert

Im August 1970 traf eine offizielle englische Abordnung in Wesel ein. Vertreter beider Städte einigten sich auf das bereits von Yetton-Ward und Wolsing erarbeitete Konzept und vereinbarten, eine offizielle Partnerschaft erst dann einzugehen, wenn diese auch ein Echo in der Bevölkerung finden würde. Ende 1973 war nach Überzeugung beider Seiten der Zeitpunkt gekommen, die Partnerschaft offiziell zu besiegeln. Letzte Schwierigkeiten seitens des Weseler Rates, der einen Schaden für die Beziehungen zu Hagerstown bzw. unkalkulierbare Kosten für die Stadt befürchtete, wurden beseitigt. Der Rat beschloss am 25. Oktober 1973 die Begründung des Partnerschaftsverhältnisses. So konnten am 2. März 1974 in Felixstowe und anschließend beim Gegenbesuch am 19. Oktober die Partnerschaftsurkunden während zweier feierlicher Akte unterschrieben und ausgetauscht werden.

In beiden Städten wurden Partnerschaftsvereine gegründet, die Felixstowe Wesel Association und die Partnerschaftsvereinigung Wesel-Felixstowe, um die Städtepartnerschaft möglichst breit in der Bevölkerung zu verankern. Der Schüleraustausch lief allerdings nur schleppend an, weil man in Felixstowe nicht die richtigen Ansprechpartner fand und in Wesel die Forderung des Rates, alle Schulen am Austausch zu beteiligen, natürlich jegliche Aktivität seitens der Lehrer hemmte. Noch in den Siebziger Jahren besuchten Schülerinnen und Schüler des Gymnasium Mitte und der Orwell High School die Partnerstädte. Erst zum zehnjährigen Jubiläum 1984 gelang es, auch die Jugend durch ein Austauschprogramm zwischen dem Konrad-Duden-Gymnasium und drei Schulen in Felixstowe – Orwell und Deben High School sowie Kesgrave Hall School – längerfristig einzubinden. Mehr als zehn Jahre hat dieses Projekt trotz zahlreicher Wechsel bei den Lehrern und Ansprechpartnern in England funktioniert. Momentan fehlt trotz Weseler Bemühungen dieser Ansprechpartner in Felixstowe.

Die Vielfältigkeit des Austausches hat bis heute Bestand: Feuerwehr, Schießsportgruppe, Karnevalisten, Segelclub und die evangelische Jugend sind in der Partnerschaft aktiv und zeugen vom Leben und Gelingen des 1970 vereinbarten Konzept.

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