Stichtag: 2. März 1952 - Einweihung des Martinistiftes

St. Martini und das sich daran anschließende, noch nicht fertig gestellte Martinistift (1951)

Die Zerstörung der Stadt Wesel am Ende des Zweiten Weltkrieges beraubte die drei Altstadtpfarreien ihrer kompletten Infrastruktur. Alle Einrichtungen in der Stadt waren entweder schwerstbeschädigt oder gar zerstört. Für Jahre musste man in Provisorien außerhalb des Stadtzentrums ausweichen und versuchen, Stück für Stück die Gebäude der Pfarrgemeinde wieder aufzubauen.

Die Pfarrgemeinde St. Martini hatte nicht nur ihre Gebäude, sondern auch ihren angestammten Platz an der Ritterstraße verloren. Sie errichtete hinter dem alten Standort an der heutigen Martinistraße ihre Kirche auf den Grundmauern der ehemaligen Reithalle des Feldartillerie-Regiments 43. Nach dem Vorbild der 1949 eingeweihten Kirche ging die Pfarrgemeinde das nächste Bauwerk an: Gemeindemitglieder pickten 500.00 Steine für das sogenannte Martinistift, ein von der Caritas betreutes Altenheim, das vom Weseler Architekten Carl Merl - einem Gemeindemitglied - errichtet wurde.
Man musste keine Steine zukaufen und hielt auf diese Weise die Baukosten gering; nur so war es möglich, solche Projekte überhaupt und so schnell zu realisieren. Mit dem Bau von Altenheimen mitten im beginnenden Wiederaufbau setzten die katholische wie die evangelische Gemeinde ein Zeichen. Sie nahmen sich der zahlreichen Alten Wesels an, die durch den Krieg Alles verloren hatten und teilweise in der Evakuierung ein tristes Leben fristeten.

Das Martinistift bot in schlichten Ein- und Zweibettzimmern insgesamt 34 Alten, die zuvor in Notquartieren, Behelfsheimen oder in der Evakuierung gelebt hatten, eine Unterkunft. Es ersetzte das im Februar 1945 im Bombenhagel untergegangene Josephs-Haus am Brüner Tor, in dem ebenfalls die Schwestern von der Göttlichen Vorsehung ihren Dienst taten.

Wandteppich von Lucie Vollbrecht-Büschlepp

Das neue Heim wurde mit zwei besonderen Kunstgegenständen ausgestattet. Zum einen erhielt es einen von der Bocholter Künstlerin Lucie Vollbrecht-Büschlepp angefertigten Wandteppich, der die berühmte Mantelteilung des Pfarrpatrons zeigt. Zum anderen wurde in ihm ein Stück des bekannten Kalvarienberg-Altares aus dem frühen 16. Jahrhundert aufgestellt. Vom mehrteiligen Schnitzaltar waren bereits vor der Zerstörung der alten Pfarrkirche die drei Hauptstücke gesichert worden. Das farbig gefasste Stück war im Auftrag des Landeskonservators vom bekannten Moerser Restaurator Richard Perret gereinigt und restauriert worden.

Eingeweiht wurde aber nicht nur ein Altenheim, sondern auch der an gleicher Stelle errichtete Kindergarten von St. Martini für 60 bis 80 Kinder. Die Festgesellschaft, die sich am 2. März 1952 zur Einweihung zusammenfand, zog nach der heiligen Messe vor das Portal des Heimes, dessen Giebelspitze ein goldenes Flammenkreuz der Caritas ziert. Dort nahm Pastor Heinrich van der Giet die Einsegnung vor. Anschließend versammelte man sich zu einer Feierstunde im Raum des Kindergartens. Nach zahlreichen Grußworten und Ansprachen hochrangiger Gäste aus Münster und Wesel bot sich den Anwesenden auch die Möglichkeit, die neuen Räumlichkeiten zu besichtigen.

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