Stichtag: 20. Juni 1695 - Tod von Pfarrer Anton von Dorth

Zwei der zahlreichen reformierten Weseler Pfarrer des 17. Jahrhunderts, Heinrich von Ewich und Anton von Dorth, waren landesweit anerkannte Historiker, deren guter Ruf bis an den Hof des Landesherrn drang, welcher sie auch in historischen Fragen konsultierte. Letzterer wurde am 1. November 1626 in Wesel geboren und am 15. November in der Willibrordikirche getauft. Seine Eltern, der Ingenieur und Brunnenmacher Anton von Dorth und Anna zum Have aus Hiesfeld, waren im September 1626 von Kalkar nach Wesel gezogen. Anton besuchte die städtische Elementarschule in der Niederstraße und wechselte im April 1636 auf das Weseler Gymnasium. Zuletzt saß er dreieinhalb Jahre in der Klasse des Weseler Rektors Johann Santenus. Im Juni 1645 nahm er sein Theologiestudium in Groningen auf und legte 1651 seine Prüfung ab. Er kehrte nach Wesel zurück und setzte seine Studien im Mai 1652 in Basel und anschließend in Marburg fort. Er wurde am 26. Februar 1653 wohl in Dinslaken ordiniert.

Eigenhändige Unterschrift des Anton von Dorth (1658)

Im Jahre 1654 berief der Magistrat Anton von Dorth als Prediger nach Wesel, wo dieser am 26. Mai in sein Amt eingeführt wurde. Im darauffolgenden Jahr ehelichte er Jenneken Hollandts aus Bislich. Aus dieser Ehe gingen sechs Kinder hervor: Jenneken, Anneken, Jenneken (das erste Kind war verstorben), Anton sowie die Zwillinge Johannes und Margarethe. Nach dem Tod seiner ersten Frau im Jahre 1667 heiratete Anton von Dorth noch zweimal jeweils Witwen, mit denen er keine Kinder hatte. Er selbst starb am 20. Juni 1695 und wurde am 25. Juni in der Willibrordikirche beigesetzt.

Beerdigungseintrag für Anton von Dorth im Begräbnisbuch der Willibrordikirche (1695)

Zeit seines Lebens beschäftigte sich Anton von Dorth mit kirchengeschichtlichen Fragestellungen und stellte eine große Sammlung zur niederrheinischen Kirchengeschichte zusammen. Er war als Kenner der niederrheinischen Kirchengeschichte bald weithin anerkannt und plante, wie er dem Großen Kurfürsten 1664 schrieb, eine Geschichte der Reformation in den Vereinigten Herzogtümern Jülich, Kleve, Berg und Mark zu schreiben. Allerdings schaffte er es nicht, neben seinem Amt als Prediger auch nur irgendetwas zu publizieren, ganz im Gegensatz zu seinem Kollegen Heinrich von Ewich oder seinem ehemaligen Rektor Johann Santenus. Als er im Juni 1695 starb, hinterließ er seine Manuskripte seinem gleichnamigen Sohn, der als Prediger in Büderich tätig war. Die einst 33 Bände starke Sammlung wollte die klevische Provinzialsynode im Jahre 1700 benutzen, um eine niederrheinische Reformationsgeschichte zu schreiben. Der Sohn verweigerte die Herausgabe, da er selbst eine Reformationsgeschichte zu schreiben beabsichtigte, wozu es aber nie kam. Die klevische Provinzialsynode bemühte sich nach dem plötzlichen Tod des Büdericher Pfarrers, die Manuskripte von den Erben zu erwerben. Allerdings bewilligte die klevische Regierung die Gelder nicht und verbot jedoch den Verkauf der Handschriften außer Landes. Schließlich kaufte sie die Regierung im Jahre 1763. Heute befinden sich die Reste der Sammlung, 26 von einst 33 Bänden, im Landesarchiv NRW, Abteilung Rheinland, wo sie heute der Wissenschaft frei zugänglich sind. Die Manuskripte enthalten Originale, Flugblätter, Abschriften unterschiedlicher Protokolle, Briefe, Grabreden, Lebensbeschreibungen zahlreicher niederrheinischer Prediger und Mitteilungen verschiedener Art über von Dorths niederrheinische Heimat. Bislang publiziert ist seine umfangreiche niederrheinische Inschriftensammlung, eine Fundgrube für Wesel und den Niederrhein, die eine Vielzahl von Grabinschriften, Gedenkinschriften, Glasfenstern, Hausinschriften, Votivtafeln etc. samt Zeichnungen enthalten.

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