Stichtag: 21. Dezember 1928 - Brand im Schloss Diersfordt

Schloss Diersfordt vor 1900

Am 21. Dezember 1928 brannte das spätbarocke Schloss in Diersfordt, Stammsitz der Freiherren von Wylich und der Grafen von Stolberg-Wernigerode, bis auf die Grundmauern nieder.

Am Vormittag brach im Zimmer des Küchenmädchens, welches in den Mansarden untergebracht war, ein Feuer aus, das erst kurz vor Mittag bemerkt wurde. Den Brand verursacht hatte wohl ein Ofen, aus dem anscheinend glühende Kohlen auf das Ofenblech gefallen sind und leicht entflammbare Gegenstände entzündete. Obwohl das Feuer recht früh bemerkt wurde, sämtliche Feuerwehren der Umgebung benachrichtigt wurden und die Diersfordter Feuerspritze umgehend zur Stelle war, brannte das Schloss im Laufe des Tages vollkommen nieder. Die Feuerwehren waren mit ihren teilweise veralteten Ausrüstungen nicht in der Lage, etwas gegen das Feuer auszurichten. Die Weseler Drehleiter war nicht lang genug und die einzige Motorspritze gehörte dem RWE. Der Brand fraß sich von oben nach unten durch das Gebäude und fand in den hölzernen Zwischendecken sowie den mit Riedgras gepolsterten und mit Leinwand bespannten Zimmerwänden reichlich Nahrung. Es gelang immerhin unter Mithilfe zahlreicher zu Hilfe eilender Diersfordter, große Teile des wertvollen Inventars und Mobiliars sowie die Kunstgegenstände, das bedeutende Archiv und große Teile der Bibliothek rechtzeitig zu bergen und in der Kirche unterzubringen.

Frontseite

Bei den Löschversuchen wurde der auf einer hohen Leiter stehende Weseler Feuerwehrmann Josef Wilhelm von der einstürzenden Fassade lebensgefährlich verletzt; er erlag am 20. März 1929 im Weseler Krankenhaus seinen Verletzungen. Zwei weitere Weseler Feuerwehrleute, Karl Heirich und Heinrich Dieckmann, versuchten am späten Nachmittag trotz ausdrücklichen Verbotes, im Erdgeschoss noch Tapetenbilder zu retten. Sie wurden von dem einstürzenden Nordturm erschlagen. Die Leichen konnten erst am folgenden Tag geborgen werden; der Brand war zu diesem Zeitpunkt immer noch nicht erloschen, sondern flammte bis ins neue Jahr hinein immer wieder auf.

Die Schlossruine wurde 1929 abgetragen; an gleicher Stelle wurde von 1929 bis 1931 das heutige Schloss errichtet.

Die Weseler Feuerwehr erhielt im Juli 1929 als erste Reaktion auf die erwiesene Unzulänglichkeit der Löschgeräte endlich eine Motorspritze. In den folgenden Jahren wurde die Feuerwehr weiter motorisiert und erhielt Mannschaftswagen - statt der pferdebespannten Wagen - sowie eine neue Anhängedrehleiter.

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