Stichtag: 21. Mai 1957 - Tod vom ehemaligen Bürgermeister Ebert

Zu den eher vergessenen Bürgermeistern gehört Dr. Anton Ebert, der das Amt in schweren Zeiten übernahm und in seiner kurzen Amtszeit den Wiederaufbau Wesels einleitete.

Geboren wurde Anton Ebert am 28. Oktober 1880 in Birkental, Kreis Kattowitz (Oberschlesien) als Sohn des Karl Ebert und seiner Ehefrau Hedwig geborene Schittko. Anton war das jüngste Kind einer großen wie auch armen Familie. Aufgrund seiner sehr guten schulischen Leistungen förderte ihn der katholische Pastor und sorgte für die Aufnahme in eine Präparandenanstalt. Mit dem Geld, was er seit 1900 als Volksschullehrer in Oberschlesien wie auch in Westfalen verdiente, ersparte er sich seine weitere Ausbildung. 1911 legte er am Gymnasium Recklinghausen mit 31 Jahren das Abitur ab und studierte anschließend sechs Semester in Münster und Berlin Geschichte. Er schloss sein Studium 1917 mit einer Promotion über die Lebensmittelpolitik der freien Reichsstadt Dortmund ab.

Ebert war Teilnehmer des Ersten Weltkriegs, wurde an der Westfront eingesetzt und verwundet. Kurz nach Kriegsbeginn, am 5. August 1914, heiratete er in Lippstadt Maria Hedwig Hildegard Rhein. Aus der Ehe gingen zwei Söhne, Zwillinge, hervor. Nach seiner Rückkehr aus dem Krieg ging er als Schulrektor nach Dortmund. Er stieg zum Stadtschulrat auf und arbeitete ab 1931 als Regierungs- und Schulrat bei der Regierung in Koblenz. Im April 1934 wurde Ebert nach Wesel versetzt, um die katholische Volksschule an der Pergamentstraße als Rektor zu übernehmen. Die Versetzung geschah nicht auf Eberts Wunsch, sondern war eine Folge der Machtübernahme durch die Nationalsozialisten, deren Gegner Ebert war.

Dr. Anton Ebert 1946/47

Nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges wurde Ebert von den Briten in den Finanz- und Vertrauensausschuss berufen. Er war politisch sehr aktiv und Mitbegründer der Kreis- und Ortsgruppe der CDU. Im Herbst 1945 zeigte sich, dass Ebert bereits 1933 in Koblenz Parteimitglied geworden war. Diese Mitgliedschaft hatte er in einem Fragebogen der britischen Militärregierung nicht angegeben. Er behauptete, dass der Regierungspräsident die Mitgliedschaft ohne sein Wissen für ihn beantragt hätte, um ihn zu schützen und er davon erst nach seiner Versetzung nach Wesel im Januar 1935 Kenntnis hatte. Er hätte auch kein Mitgliedsbuch, da er sich 1935 geweigert hätte, die dafür notwendigen Formalitäten zu erledigen. Von diesem strittigen Thema wussten im Herbst 1945 alle Mitglieder des Vertrauensausschusses. Das von vornherein angespannte Klima in dem im Januar 1946 eingesetzten Rat war dadurch noch zusätzlich belastet, da der Vertreter der britischen Militärregierung, Major Adam Duncan Chetwynd, Ebert berief und dieser von den Ratsmitgliedern seines Lagers auch noch zum Bürgermeister gewählt wurde. Der politische Gegner - SPD und KPD - schäumte vor Wut und fühlte sich von Chetwynd und Ebert, die in gutem Einvernehmen standen, hintergangen. Die Mitgliedschaft bot häufiger Diskussionsstoff im Rat. Ebert hatte als Pensionär die Möglichkeit, seine Arbeitskraft komplett für die Belange der Stadt einzusetzen, was sich etwa in der Vorbereitung des Wiederaufbaus positiv bemerkbar machte. Er war durchsetzungsfähig und allgemein beliebt, was die Wahlen im Herbst 1946 trotz des die schwächeren Parteien benachteiligenden Mehrheitswahlrechtes zum Ausdruck brachten. Er wurde wiedergewählt; sein Gegenkandidat war der von der Opposition nominierte Paul Körner, ein Ratsmitglied der CDU.

Die Entscheidung, Ebert überhaupt in den Rat zu berufen und seine Wahl zum Bürgermeister zuzulassen, war in der damaligen Situation alles andere als glücklich, obwohl er ein zweifelsohne fähiger Mann war. Das Klima zwischen den Parteien war vergiftet und es gab deswegen keine gute Zusammenarbeit im Rat, was in der prekären Situation der Stadt schadete.

Anfang 1947 fand die Militärregierung heraus, dass entgegen Eberts Behauptung doch während des Krieges Mitgliedsbeiträge an die NSDAP gezahlt worden waren. Sie setzte daraufhin Ebert am 10. März 1947 ohne nähere Begründung ab. Über die Gründe schwieg sich die Militärregierung längere Zeit aus. Eberts Nachfolger wurde tatsächlich der Kaufmann Paul Körner, der, wie sich bei der Wahl herausstellte, mittlerweile bei der Opposition nicht mehr wohlgelitten war.

Ebert zog sich nach seiner Absetzung aus der Öffentlichkeit zurück und starb, eher vergessen, am 21. Mai 1957 in seiner Wohnung in Wesel.

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