Stichtag: 22. August 1957 - Einweihung der katholischen Kirche Herz-Mariä in Flüren

Die 1969 im Zuge der kommunalen Neugliederung nach Wesel eingemeindete Gemeinde Flüren war bis zum Ende des Alten Reiches (1806) eine von drei Bauerschaften im Amt Wesel. Sie lag wie Lackhausen und Obrighoven damit außerhalb des Weseler Stadtgebietes, war jedoch mit der Stadt eng verbunden. Gerichtlich, kirchlich und schulisch gehörte das Amt zu Wesel.
Nach 1815 gab es eine Veränderung. Die evangelischen Gläubigen der lange nur dünn besiedelten Bauerschaft - 1806 zählte man nur 17 Häuser sowie 136 Einwohner - wandten sich Bislich zu, während die Katholiken weiterhin zu St. Martini in Wesel gehörten. Die Zahl der Einwohner in Flüren stieg langsam, aber stetig. Der beschwerliche Kirch- und Schulweg verkürzte sich zwar durch den Bau einer katholischen Schule in der Feldmark und 1901 endlich auch in Flüren sowie die Errichtung der Herz-Jesu-Kirche im Jahre 1920. Aber eigentlich strebten die Flürener Katholiken schon seit den 1830er Jahren nach einem eigenen Gotteshaus, konnten sich jedoch gegen ihre Pfarrgemeinde nicht durchsetzen bzw. scheiterten an den Unbilden der Zeit.

Kirche im Rohbau

Konkrete Formen nahm der Kirchbau erst 1952 an. Flüren hatte damals zwar nur gut 500 Katholiken, wuchs jedoch in dieser Zeit rasant und entwickelte sich absehbar zu einem Wohn- und Schlafort für Weseler und andere, die es aus den Städten vor allem des Ruhrgebiets zog. Angesichts dieses zu erwartenden raschen Zuwachses an Gläubigen wurde den Flürenern schon im August 1952 seitens des Bistums Münster geraten, für den lange gehegten Wunsch nach einer eigenen Kirche durch den Erwerb eines geeigneten Grundstücks eine wichtige Voraussetzung zu schaffen. Nun ging alles für heutige Verhältnisse sehr schnell. Im Februar 1953 wurde der katholische Kirchbauverein Flüren gegründet und im Oktober ein entsprechend großes Baugrundstück von der Gemeinde Flüren erworben. 1955 konnte auf Empfehlung des Bistums der renommierte Münsteraner Architekt Hans Ostermann gewonnen und mit der Planung der Kirche beauftragt werden. Der erste Spatenstich erfolgte am 22. August 1956. Es war dies der erst 1950 festgelegte Festtag des Unbefleckten Herzens Mariä, des vorgesehenen Patroziniums. Am 23. September wurde der Grundstein gelegt und ein knappes Jahr später war die Kirche fertiggestellt. Im Gegensatz zum heutigen Gotteshaus, das 1972 eine erhebliche Erweiterung erfuhr, war das anfangs errichtete Gebäude ein bescheidener rechteckiger, etwa 10 x 20 Meter großer Ziegelbau mit einem kleinen Glockenturm und angebauter Sakristei.

Einweihung der Kirche, hier die Einlassung der Reliquien durch Bischof Dr. Carl Maria Splett

Als Tag der Einweihung war natürlich der 22. August 1957 - der Tag des Kirchenpatroziniums - vorgesehen. Da der Münsteraner Weihbischof im Urlaub weilte, der Termin aber unbedingt gehalten werden sollte, übernahm die Konsekration der Danziger Bischof Dr. Carl Maria Splett. Die Feierlichkeiten begannen bereits am 21. August 1957, einem Mittwoch, mit der Einholung des Bischofs sowie der Reliquienweihe und -ausstellung in der katholischen Volksschule. Am nächsten Morgen wurden die Kirche und der Altar geweiht und anschließend die erste heilige Messe gefeiert. Danach gab es einen großen Empfang im Saal Hetzel und am späten Nachmittag eine erste Andacht.

St. Marien in Flüren

Durch die Liturgiereform des Zweiten Vatikanischen Konzils (1963) fallen Patronats- und Kirchweihfest nicht mehr auf einen Tag. Der Festtag wurde auf den dritten Samstag nach Pfingsten verlegt.

Die Flürener Katholiken hatten nun endlich ihre eigene Kirche; es dauerte aber noch weitere acht Jahre, bis die von der Mutterpfarre Herz-Jesu verwalteten Rektoratsgemeinde St. Marien zur selbständigen Pfarrei erhoben wurde.

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