Stichtag: 23. Mai 1967 - Einweihung des Tunnel an der Kurt-Kräcker-Straße

In den stadtplanerischen Überlegungen der Nachkriegszeit spielte die Eisenbahnlinie Oberhausen-Amsterdam eine zentrale Rolle. Die Eisenbahn durchschneidet die Stadt und stellt ein enormes Hindernis für den Straßenverkehr dar. Es gab nur die ebene Überquerung der Gleise, also beschrankte Bahnübergänge, was aufgrund des starken Zugverkehrs zu erheblichen Wartezeiten an den Übergängen führte. Die ersten Stadtplanungen scheiterten bei den vorgesetzten Stellen unter anderem wegen unbefriedigender Lösungen bei der Einbeziehung der Eisenbahn und wegen des Streits zwischen Bahn und Stadt, wer die Kosten für eine wie auch immer geartete Über- oder Unterquerung der Eisenbahn zu tragen hat. Die Verkehrsleitplanung musste sich den Erfordernissen des modernen Straßenverkehrs anpassen. Hauptdurchgangsstraßen, Umgehungsstraßen wie auch der innerstädtische Verkehr waren in den Planungen zu berücksichtigen, auch wenn ihre Umsetzung Jahrzehnte dauern würde. Bei der Bundesstraße 8 war die Umsetzung relativ einfach; sieht man einmal vom Bahnübergang am Lippeschlösschen ab, der erst in den 1980er Jahren durch eine Überführung ersetzt wurde, waren die entscheidenden Maßnahmen und Arbeiten bereits in den Fünfziger Jahren ausgeführt worden.

Die Querung der Eisenbahn war kostspielig und konnte erst in den Sechziger Jahren umgesetzt werden. Drei große, kreuzungsfreie Querungen - zwei Brücken und eine Unterführung - sollten die Verkehrssituation vor allem am großen Bahnübergang an der Bahnhofstraße (heute Busbahnhof) entzerren. 1961 wurde mit der Friedrich-Ebert-Brücke die wichtigste Verbindung, die Bundesstraße 58, über die Eisenbahn geführt, was den Übergang an der Bahnhofstraße (heute Bahnhofsvorplatz) um den Durchgangsverkehr entlastete. 1966 folgte die Theodor-Heuss-Brücke, die den innerstädtischen wie auch den Verkehr nach Brünen und Borken (B 70) aufnahm. Die Arbeiten für die dritte Querung, der Fusternberger Tunnel zwischen Dinslakener Landstraße und Schützenstraße, begannen im Jahre 1965 mit Tiefbauarbeiten der Stadt an der Dinslakener Landstraße sowie den notwendigen Brückenbauarbeiten der Bundesbahn. Im Jahr darauf wurden die Stützmauern entlang der Straße errichtet und der Tunnel fertiggestellt. Die Straßenbauarbeiten dauerten bis in den Mai des darauffolgenden Jahres.

Die Festgesellschaft am Tunneleingang Dinslakener Landstraße

Die feierliche Einweihung des Tunnels fand am Nachmittag des 23. Mai 1967 mit Vertretern aller am Bau beteiligten Institutionen und Firmen (Stadt Wesel, Bundesbahn, Landesstraßenbauamt, Siedlungsverband Ruhrkohlenbezirk und Fernstraßenneubauamt, Trapp) statt. Die Festgesellschaft war vom Rathaus mit dem Bus transportiert worden, der zuerst die beiden Brücken über die Eisenbahn anfuhr, bevor er an der neuen Querung hielt. Der Vertreter des Landesstraßenbauamtes in Kleve, Landesbaudirektor Seegers, blickte in seiner Ansprache nicht nur auf das Erreichte, sondern kündigte weitere Taten an, nämlich den noch im gleichen Jahr anstehenden vierspurigen Ausbau der Schillstraße. Oberbaurat Müller sagte daraufhin den Bau der Nordumgehung zu. Dr. F.C. Trapp dankte schließlich im Namen aller am Bau beteiligten Firmen für die Berücksichtigung der Weseler Wirtschaft beim Straßenbau.

Zur Feier geladen war auch die Witwe des im Dezember 1966 tödlich verunglückten Bürgermeisters Kurt Kräcker. Nach ihm wurde das neue Straßenstück und die sich in Fusternberg daran anschließende Bleicherstraße benannt. Freigegeben werden musste der Tunnel nicht mehr; das war bereits zehn Tage zuvor zum bevorstehenden Pfingstfest geschehen.

Nach dem Festakt begab sich die Festgesellschaft zum Umtrunk in die benachbarte Niederrheinhalle. Der Ort war mit Bedacht gewählt, sah man doch von der Halle aus eines der Verkehrsprobleme, das auf dem städtischen Wunschzettel gleich hinter der Südumgehung und dem Bahnübergang am Lippeschlösschen stand: die noch nicht wiederhergestellte Eisenbahnunterführung an der Schützenstraße (heute An de Tent). Hier hatte man unmittelbar nach dem Krieg für den Bahnverkehr die Lücke im Damm zwischen den Brückenauflegern verfüllt und so die Straße blockiert.

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