Stichtag: 24. Dezember 1966 - Tod von Kurt Kräcker

Am Nachmittag des 22. Dezember 1966 verließ Bürgermeister Kurt Kräcker am Steuer seines Privatwagens Wesel, um an Veranstaltungen der Gewerkschaft in Rees, Emmerich und Isselburg teilzunehmen. Vor der langgezogenen Kurve der Bundesstraße 8 bei Bergerfurth geriet ein entgegen kommendes Fahrzeug wegen zu hoher Geschwindigkeit außer Kontrolle, fuhr auf die Gegenfahrbahn und rammte Kräckers Auto frontal. Die beiden Insassen des Unfallverursachers wurden auf die Fahrbahn geschleudert; der Fahrzeughalter verstarb noch am Unfallort. Die Insassin wurde schwer verletzt. Der Bürgermeister wurde lebensgefährlich verletzt in das Evangelische Krankenhaus transportiert, wo er zwei Tage später, am frühen Nachmittag des 24. Dezember, seinen Verletzungen erlag. Er hinterließ seine Witwe und zwei Kinder.

Zerstörtes Fahrzeug Kräckers (VW 1500)

Am 13. Mai 1916 wurde Hermann Kurt Kräcker in Borna bei Leipzig als achtes Kind eines Bergarbeiters geboren. Dort absolvierte er eine Dreherlehre. In Neinstedt im Harz, heute ein Ortsteil von Thale, wurde er bei den dortigen Anstalten zum evangelischen Diakon ausgebildet und war danach in der Pflege von Epileptikern, Geistesschwachen und Fürsorgejungen tätig. Kräcker war Soldat im Zweiten Weltkrieg und heiratete 1942 in Mönchengladbach Theresia Arians. Nach der Gefangenschaft lebte er in Mönchengladbach.

1948 übernahm Kräcker, der seit 1946 Gewerkschaftsmitglied war, in Wesel die Aufgabe eines Gewerkschaftssekretärs der ÖTV für die Kreise Rees und Dinslaken und wurde 1952 für die SPD in den Stadtrat und den Kreistag gewählt. Diesen Gremien gehörte er ununterbrochen an. Am 12. November 1956 wurde er zum Weseler Bürgermeister gewählt. Sein kommunal-, sozialpolitisches und gesellschaftliches Engagement zeigte sich in seinen zahlreichen Funktionen, die er ausübte: Mitglied des Verwaltungsrates der Rhein-Lippe-Hafen Wesel-Dinslaken GmbH seit 1956, Vorsitzender des Sparkassenrates und der Zweckversammlung der Verbandssparkasse seit 1956, Vorstandsmitglied der AOK des Landkreises Rees seit 1958, stellvertretender Vorsitzender des Aufsichtsrates der Gemeinnützigen Bauverein Wesel GmbH seit 1962, Vorsitzender der Schulverbandsversammlung der Realschule Wesel seit 1959, Mitglied des Aufsichtsrates der Evangelisches Krankenhaus GmbH, Mitglied der Gesellschaftsversammlung der Evangelisches Altenheim GmbH, Unterbezirksvorsitzender der SPD, stellvertretender Landrat 1961. Daneben war er ein Freund und Förderer der Vereine und nahm aktiv und gestaltend am gesellschaftlichen Leben teil.

Kräcker war ein Mann von großer Toleranz, der über die Parteigrenzen hinweg als Partner geschätzt war. Er galt als Mann der kleinen Leute, sozial engagiert und streitbar für seine Anliegen. Mit Humor, Witz, Sachverstand und Zielstrebigkeit setzte er sich für die Belange seiner Stadt ein.

„Kleiner Häuptling“ 1961

Während seines Aufenthaltes in Amerika verliehen ihm die Nachkommen der Indianer, denen der aus Wesel stammende Peter Minuit Manhattan abkaufte, die Häuptlingswürde und gaben ihm den Ehrentitel „Kleiner Häuptling".Kurt Kräcker wurde im Lichthof des Rathauses aufgebahrt, wo eine nicht enden wollende Prozession von Bürgern Abschied von ihrem Bürgermeister nahm. Dort fand auch die Trauerfeier am frühen Nachmittag des 29. Dezember statt. Im überfüllten Rathaus nahmen daran auch alle Oberbürgermeister des Ruhrgebiets teil. Anschließend wurde der Sarg von einem unabsehbaren Trauerzug im strömenden Regen zum Friedhof an der Caspar-Baur-Straße überführt, wo er in einem Ehrengrab beigesetzt wurde.

Trauerzug vor der Poppelbaumstraße.

An Kurt Kräcker erinnert seit 1967 eine Straße, die vom damals eingeweihten Fusternberger Tunnel zur Schermbecker Landstraße führt.

Links