Stichtag: 28. März 1540 - Einführung der Reformation

Die von Martin Luther 1517 angestoßene Reformation der Kirche fand schon früh ihren Weg nach Wesel. Bereits 1521 setzten sich ein Dominikaner und in den Jahren darauf auch einige Weseler Augustiner für die Lehre Luthers ein. An der von Humanisten geprägten Weseler Lateinschule war seit 1523 der Reformator Adolf Clarenbach als Lehrer tätig, der 1525 auf Druck des Landesherrn ausgewiesen wurde. Es herrschte jedoch zum damaligen Zeitpunkt schon eine kirchenkritische Stimmung gerade auch in der besseren Gesellschaft und bei den Stadtoberen. Einen Rückschlag erlitten die Befürworter 1534, als die Stadt wegen des Täuferreichs in Münster unter Druck geriet. In Wesel gab es zahlreiche, auch namhafte Unterstützer der Wiedertäufer, denen 1535 der Prozess gemacht wurde. Unter den dann Hingerichteten waren auch zwei Ratsmitglieder.

Widerstand gegen jegliche reformatorische Regung kam vom Weseler Pastor Anton von Fürstenberg. Er hatte die Pfarrstelle an St. Willibrord zwar seit 1495 inne, war aber lange Zeit abwesend und hatte nur einen Vikar eingesetzt. Erst ab 1517 war Fürstenberg, wenn auch mit Unterbrechungen, persönlich in der Stadt, wo er erbittert und mit harten Bandagen gegen seine Gegner kämpfte. Er versuchte es über den Kölner Erzbischof mit Exkommunikation, Beschwerden beim Landesherrn sowie Verleumdungen. In Wesel nahm er auch Einfluss auf die Politik. So sprach er sich öffentlich gegen den Bürgermeister Wessel von Bert aus und verhinderte mit Verleumdungen 1528 dessen erneute Wahl in den Rat. Durch den Kampf gegen die Wiedertäuferei in Münster und Wesel 1534/35 erfuhr der Pastor noch einmal eine Unterstützung auch durch die Bevölkerung, doch auf die Dauer schwächte er mit seinem robusten Vorgehen die eigene Position. Im seit acht Jahren schwelenden Streit mit der Stadt um einen guten Kaplan musste er 1536 den lutherischen Kaplan Iman Ortzen akzeptieren, den der klevische Hof ausgesucht hatte. Versuche, diesen Kaplan zu diskreditieren, scheiterten; Fürstenberg verließ 1539 Wesel und ging nach Nimwegen, wo er bereits Anfang 1540 starb und beigesetzt wurde.

In der ersten Fastenwoche 1540 wurde Wessel von Bert wieder zum ersten Bürgermeister gewählt. Ihn forderte eine Abordnung der Bürgerschaft am Palmsonntag per Bittschrift auf, sich für das Heilige Abendmahl gemäß der jetzigen Lehre einzusetzen. Montags darauf tagte der Rat, der das Ansinnen des Abendmahls unter beiderlei Gestalt befürwortete und beschloss, die beiden Bürgermeister zum Landesherrn nach Kleve zu schicken, um dort ein Einverständnis zu erhalten. Die beiden konnten donnerstags im Rat Bericht erstatten. Der klevische Rat Konrad Heresbach hatte ihr Anliegen beim Herzog vorgetragen und der Kanzler Heinrich Bars genannt Olisleger hat im Beisein des Erbhofmeisters Dietrich von Wylich die Antwort überbracht. Der Herzog stellte es den Weselern frei, das Abendmahl unter beiderlei Gestalt zu empfangen. Es gab zwar kein herzogliches Einverständnis für eine Reformation, aber auch kein Verbot und so wurde sie nun in Wesel mit Macht eingeführt.

Der klevische Rat Konrad Heresbach (1496–1576)

Am 28. März 1540, dem Ostersonntag, wurde erstmals in Wesel das Abendmahl in evangelischer Gestalt, mit Brot und Wein, von Kaplan Iman Ortzen und dem Augustiner Anton Kelderman, Kaplan an der Mathenakirche, sowie dem Lesemeister der Augustiner, Gysbert von Neukirchen ausgeteilt.

Die Erinnerung an den Übergang zur Reformation war der Stadt Wesel so wichtig, dass sie später dazu eine Tafel mit goldener Schrift auf blaugefärbtem Pergament anfertigen und im Rathaus anbringen ließ. Der deutsche Text der zweisprachigen Gedenktafel, die im Zweiten Weltkrieg verlorenging, lautet:

In denn Jairnn na Christi unsers Herenn gebuyrt duysent viffhundert unnd fiertig up denn Heiligen Paischdach is unsers Herenn Nachtmaal unnder beider gestalt te Wesell yrstmael angericht.

Gode dem Herenn sy loff unnd prys in ewicheitt. Amen.

Replik der Gedenktafel zur Einführung der Reformation in Wesel

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