Stichtag: 3. Dezember 1954 - Der neue Büroflügel des ersten Nachkriegsrathauses war bezugsfertig.

Süd- und Ostseite des Rathauses vor dem Ausbau (November 1952).

Das 1952 eingeweihte Rathaus am Mathenaplatz - im Volksmund Zeche Ewald genannt - entsprach keineswegs den ursprünglichen Planungen. Erstellt wurde nur der sogenannte erste Bauabschnitt. Mehr hatte der Rat per Beschluss nicht zugelassen. Einzig das Kellergeschoss erstreckte sich über die gesamte, für das Rathaus eigentlich vorgesehene Fläche. Darauf wurden lediglich der Nordflügel an der Hohen Straße sowie der Westflügel an der Kreuzstraße errichtet. Das Rathaus war daher von Anfang an zu klein und bot überhaupt keinen Platz für personellen Zuwachs, den es aufgrund gesetzgeberischer Zusatzaufgaben aber gab. So stimmte der Rat am 28. Oktober 1953 der Errichtung des zweiten Bauabschnittes zu. Gebaut werden sollten die Büroräume des südlichen Hauptteils, der Lichthof sowie der Rohbau (!) des Ostflügels mit großem und kleinem Sitzungssaal.

Luftaufnahme des Rathauses nach der Fertigstellung des zweiten Bauabschnittes (September 1955)

Die Bauarbeiten begannen im Dezember 1953. Ende März des darauffolgenden Jahres war das Stahlbetonskelett fertig und am 1. Juni feierte man Richtfest. Am 3. Dezember 1954 war der Südflügel, in dem die Büroräume untergebracht waren, soweit fertig gestellt, dass am 7. und 8. Dezember die Verwaltung die neuen Büros beziehen konnten. Schulamt, Kulturamt, Verkehrsamt, Verkehrsverein sowie das Presse- und Wahlamt wechselten in die neuen Räume im ersten Stock. Im Erdgeschoss wurde die uniformierte Bereitschaftspolizei untergebracht, während die Kriminalpolizei im zweiten Stock ihr Quartier aufschlagen durfte.

Eröffnung der Hagerstown-Ausstellung im Lichthof am 28. August 1955.

Die Arbeiten am Lichthof sowie dem Ostflügel zogen sich noch bis April 1955 hin. Die Sitzungssäle im Ostflügel wurden im Rohbau belassen und erst später, im dritten Bauabschnitt, ausgestaltet. Die künstlerische Oberleitung bei allen drei Bauabschnitten hatte der Direktor des Werkkunstschule Krefeld, Fritz G. Winter. Von der Bevölkerung wurde das erweiterte Rathaus nicht nur als Verwaltungsgebäude, sondern auch - wegen der vielen Veranstaltungen im Keller sowie im repräsentativen Lichthof - als Haus der Bürger angenommen.

Großer Sitzungssaal (November 1958)

Die Gestaltung der Sitzungssäle wurde 1956 in Angriff genommen. Am 9. Mai 1957 entschied sich der Rat für zwei Gestaltungsentwürfe. Es dauerte noch bis zum Januar 1958, ehe mit dem Ausbau begonnen werden konnte. Das Sitzungszimmer konnte bereits am 11. April 1958 erstmals für eine Ausschusssitzung benutzt werden. Der Sitzungssaal hingegen war erst im Herbst fertig und der Rat konnte erstmals am 11. November in diesem gut 200 qm großen Raum eine Sitzung abhalten. An diesem Martinstag endete somit der Bau des Weseler Rathauses, das auf den Fundamenten der alten Mathenakirche errichtet worden war. Zehn Jahre waren von der Planung sowie sechseinhalb Jahre vom ersten Einzug bis zur endgültigen Fertigstellung vergangen. Es fehlte mit der Gestaltung der großen Fensterfläche im Sitzungssaal nur noch ein Detail. In der ersten Sitzung im neuen Ratssaal würdigte Stadtdirektor Dr. Reuber das nunmehr fertige Rathaus und beendete seinen Rückblick auf die gut achtjährige Baugeschichte mit den Worten: „Ich möchte wünschen, dass in diesem Hause alle Zeit herrschen möge der Geist echten Bürgertums, der Harmonie, der Wahrheit, der Eintracht und des Friedens."

Lange durfte dieser Geist in diesem Hause nicht herrschen. Im August 1970 wurde das Rathaus an die Kaufhof AG verkauft. Die Verwaltung verließ es im März 1971 und im folgenden Monat wurde es abgerissen, um dem Kaufhof Platz zu machen.

Links