Stichtag: 30. Juli 1909 - Bau einer katholischen Volksschule am Hansaring

Der Notwendigkeit, den beengten christlichen Volkschulen in der Weseler Innenstadt endlich moderne Gebäude mit großzügigen Schulhöfen zu verschaffen, trug die Stadtverordnetenversammlung am 30. Juli 1909 endlich Rechnung. Sie beschloss, zwei neue Schulen in dem freigewordenen ehemaligen Festungsgelände zu errichten. Die neue evangelische Schule sollte an der Böhlstraße errichtet werden und die katholische Volksschule an der Kirche St. Mariä Himmelfahrt sollte durch einen Neubau neben dem abgebrochenen Rheintor am Hansaring ersetzt werden. Die Stadtverordneten genehmigten auch einstimmig den vom Städtischen Bauamt ausgearbeiteten Entwurf zur neuen Hansaringschule, die 16 Klassenräume und ein Schulbad erhalten sollte.

Die alte Schule, ein Bau aus der Mitte des 19. Jahrhunderts, lag an der Ecke Brüder-/Sandstraße und war viel zu klein für die 711 Schüler des Jahres 1909. Sie verfügte ab diesem Jahr zwar über 14 Klassenräume, doch wie die anderen Volksschulen auch war man auf Unterrichtsräume außerhalb des Schullokals angewiesen. Der zweiten Jungenklasse war 1909 einer der beiden Unterrichtsräume am Wasserturm in der Brandstraße zugewiesen worden. Den anderen bezog die Hilfsschule.

Für den Neubau stand ein 5000 qm großes Grundstück zur Verfügung. Der Bau war auf 290.000 Mark veranschlagt. Die vergleichsweise hohen Kosten waren dem Bauplatz geschuldet. Der alte Wallgraben musste verfüllt werden, was auch die Gründung der Schule erheblich verteuerte. Für die Bodenbewegung rechnete das Bauamt mit 15.000 Mark und für die Gründung mit 20.000 Mark Kosten. Im Herbst 1909 begannen die Arbeiten mit einer umfangreichen Fundamentierung. Die Arbeiten mussten im Winter wegen des Rheinhochwassers ruhen, da der Wallgraben noch nicht genügend aufgefüllt war und Grundwasser hineingedrückt wurde. Verfüllt wurde der Graben nur im Bereich der Schule. Direkt neben ihr befand sich für viele Jahre ein nur teilverfülltes Grabenstück.

Die Hansaringschule 1912

Das im späthistoristischen Stil errichtete Schulgebäude wurde 1911 fertiggestellt und am 3. Januar 1912 feierlich eingeweiht. Die Schule verfügte nicht, wie vorgesehen, über 16, sondern hatte nur 14 Klassenzimmer. Sie unterschied sich von dem heute noch vorhandenen Gebäude und war deutlich aufwändiger gestaltet, mit einem Giebel am westlichen Querhaus, einem begehbaren Dachreiter auf dem Längshaus, drei Zwerchhäusern und einem Viertelturm in der Südfassade.

Das Längshaus mit zerstörtem Südtrakt (um 1946)

Am Ende des Zweiten Weltkrieges erhielt die Schule schwere Bombentreffer. Der südliche Trakt einschließlich des Treppenhauses war vollständig zerstört und wurde nicht wieder aufgebaut. Das übrige Gebäude stellte man in vereinfachter Form wieder her. Die ersten Klassenräume konnten schon im Februar 1949 bezogen werden.

Mit der Neuordnung des Volksschulwesens aufgrund des Hamburger Abkommens vom 28. Oktober 1964 nahm die Hansaringschule 1968 eine evangelische und katholische Grundschule auf. Letztere wurde 1981 geschlossen und die evangelische schon vorher in eine Gemeinschaftsgrundschule umgewandelt. Diese wurde 1994 an den Brüner-Tor-Platz verlegt. Im selben Jahr bezog die Fernuniversität Hagen einige Räume der freigewordenen Schule. Seit 1996 beherbergt sie die Krankenpflegeschule Niederrhein.

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