Stichtag: 8. Juni 1959 Grüne Wiesen erobern sich ihr Terrain zurück

Ostseite des Forts

Nachdem Napoleon Bonaparte im Dezember 1805 durch den Vertrag von Schönbrunn die rechtsrheinische Festung Wesel erhalten hatte, begann er unverzüglich mit den Planungen einer großen, über den Rhein greifenden und gegen Osten gerichteten Festungsanlage. Kernstück der Neubauten sollte auf dem linken Rheinufer ein großes Fort unmittelbar neben der mittelalterlichen Stadt Büderich werden. Für dieses Fort, von den Franzosen „Fort Napoleon“ und von den Preußen in „Fort Blücher“ umbenannt, musste im Dezember 1813 Büderich weichen – die Stadt wurde dem Erdboden gleichgemacht. Das Fort diente bis zum Vertrag von Versailles 1919 dem Militär und war bis dahin nur wenig verändert worden, sieht man einmal vom preußischen Umbau zur Ausrichtung gen Westen ab. Die Außenforts sprengte man in den Zwanziger Jahren. Die 1917 fertig gestellte Straßenbrücke über den Rhein – die Rheinbabenbrücke – endete genau vor dem Fort. Anfangs führte die Brückenauffahrt noch beschwerlich um das Fort herum, um 1933 wurde die Straße – immerhin die heutige B 58 – mitten durch die aufgelassene Anlage gelegt.

Luftaufnahme von Fort Blücher kurz vor Ende des Zweiten Weltkrieges

Nach dem Zweiten Weltkrieg, den das Fort leidlich überstand, wurden in den Kasematten vor allem Ausgebombte untergebracht. Die Bundesfinanzverwaltung, Besitzerin des Forts, veranlasste 1954 die vollständige Abtragung der Militäranlagen. Man wollte dadurch Vorflutgelände für den Rhein gewinnen, um die Abflussverhältnisse bei Hochwasser und Eisgang zu verbessern. Dazu sollte nach dem Abbruch auch der Banndeich zurückverlegt werden. Langfristig plante man die vollständige Verbesserung der Bodenqualität, um die grünen Wiesen wieder zu gewinnen, die einst für die Militäranlage weichen mussten. Für die Bewohner der Anlage wurde Wohnraum in Büderich und Wesel geschaffen.

Der Abbruch erfolgte ab 1954 mit schwerem Gerät. Er war sehr aufwändig, weil die französischen Baumeister Qualitätsbauten hinterließen, die nur durch Sprengungen zu beseitigen waren. Neben diesen Arbeiten, die von der Firma Landers durchgeführt wurden, wurde das geräumte Gelände von der Hülskens & Co. ausgekiest und später mit Teilen des Abbruchmaterials wieder verfüllt.

Sprengung des Munitionsbunkers im Oktober 1958

Um die Straßenbrücke, aber auch die Ufer- und Kaianlagen nicht zu gefährden, wurden nur kleinere Sprengungen durchgeführt. Am 8. Juni 1959 allerdings gab es eine große Sprengung, die das Ende des Forts besiegelte. Die etwa 85 Meter lange und 3,50 Meter dicke Haupttragwand mit ca. 2.500 Kubikmeter Gestein, die knapp 14 Meter aus dem Wasser ragte, wurde gesprengt. Für diesen letzten Akt, der auch vom Fernsehen festgehalten wurde, mussten sowohl der Straßen- wie auch der Schifffahrtsverkehr ruhen. Nach einer gewaltigen Detonation fiel die Wand in einen ausgekiesten, zehn Meter tiefen See, der mit einer starken Flutwelle über die Ufer schwappte. Die restlichen Abbrucharbeiten, verbunden mit kleineren Sprengungen, konnten zügig weitergehen. Mit einer Feldbahn und LKWs wurden die Trümmer abgefahren, das freie Gelände ausgekiest und anschließend verfüllt.

Überlebt hat die Abbrucharbeiten einzig die Defensionskaserne nördlich der Auffahrt zur Rheinbabenbrücke. Diese wuchtige Ruine mit ihren meterdicken Mauern steht heute unter Denkmalschutz und dient heute als Winterquartier für Fledermäuse.

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