Stichtag: 9. Mai 1970 - Ein Weselaner machte große Politik - Dr. h.c. Franz Etzel starb am 9. Mai 1970

Zu den bedeutenden Weseler Persönlichkeiten des 20. Jahrhunderts zählt der am 12. August 1902 in Wesel als Sohn eines Maurerpoliers geborene Friedrich Karl Franz Etzel. Er besuchte den Realschulzweig des Weseler Gymnasiums, den er 1919 erfolgreich abschloss, und machte an der Oberrealschule in Oberhausen das Abitur und absolvierte eine Bergmannslehre in Sterkrade. Anschließend studierte er in Frankfurt, Münster und München Volkswirtschaft und Jura. Nach bestandenem Examen ließ er sich 1930 in Duisburg als Rechtsanwalt nieder, wo er bis 1965 als Anwalt und Notar zugelassen war.

Bundesfinanzminister Franz Etzel

Unmittelbar nach seiner Rückkehr aus der Kriegsgefangenschaft wurde Franz Etzel politisch aktiv. Er war Mitbegründer der Duisburger CDU, bis 1948 Kreisparteivorsitzender, saß seit 1946 im Vorstand der CDU Rheinland und wurde 1949 als Direktkandidat des Wahlkreises Rees-Dinslaken, zu dem auch Wesel gehörte, mit großer Mehrheit in den Bundestag gewählt.
1947 übernahm er den Vorsitz des wirtschaftspolitischen Ausschusses im Zonenausschuss der CDU innerhalb der britischen Zone. Unter seiner Leitung verfasste dieser Ausschuss die „Düsseldorfer Leitsätze für Wirtschaftspolitik", die ein Bekenntnis zur sozialen Marktwirtschaft und eine Abkehr vom Ahlener Programm bedeuteten.
In der ersten Legislaturperiode des Deutschen Bundestages übernahm Etzel den Vorsitz des Wirtschaftsausschusses. Von 1952 bis 1957 war er in Luxemburg Vizepräsident der Hohen Behörde der Europäischen Gemeinschaft für Kohle und Stahl (Montanunion) und in dieser Funktion als überzeugter Europäer wesentlich an der Gründung der Europäischen Wirtschaftsgemeinschaft (EWG) beteiligt.
Am 17. Oktober 1957 ernannte Konrad Adenauer Franz Etzel zum Bundesminister der Finanzen. Der Finanzpolitik kommt seiner Meinung nach eine Schlüsselposition zu, da von ihrem Erfolg auch eine solide Währungs-, Wirtschafts- und Sozialpolitik abhängt. Er vertrat die Idee eines sozialen Rechtsstaates, einer Gemeinschaft freier und Verantwortung tragender Menschen mit breit gestreutem Eigentum, ein Ziel, das kein Staat allein sondern nur Europa erreichen kann. 1961 zog sich Etzel nach Erfolgen in der Finanzpolitik, aber auch politischen Kontroversen sowie aus gesundheitlichen Gründen aus der Politik zurück und wurde persönlich haftender Gesellschafter des Düsseldorfer Bankhauses Friedrich Simon.

Franz Etzel, Hans Liman (m.), Präsident des Weseler Bürger-Schützen-Vereins, und Herr Winkelmann (r.) im Mai 1955 im Stadtkasino mit dem Neubau-Vertrag und der Hülse für den Grundstein der Niederrheinhalle

Zu seiner Heimatstadt hatte Franz Etzel trotz seiner politischen Aktivitäten stets ein enges Verhältnis. Er war nicht nur von 1953-1957 Aufsichtsratsvorsitzender der Niederrheinischen Bank in Wesel, sondern half der hochgradig zerstörten Stadt vielfach durch seinen politischen Einfluss und seine Fürsprache beim Wiederaufbauministerium bzw. bei der Oberfinanzdirektion in Düsseldorf. Er erreichte in persönlichen Gesprächen, dass Wesel neben Düren und Jülich besonders gefördert und militärfiskalisches Gelände an der Esplanade für das Hilfswerk „Wesel hilft sich selbst" bebaut und letztlich erworben werden konnte. Er vermittelte zur Anbahnung einer Städtepartnerschaft mit einer US-amerikanischen Stadt (Hagerstown), unterstützte die Finanzierung von Bauprojekten in der Stadt und beschaffte die notwendigen Zuschüsse und Spenden zum Bau der Niederrheinhalle, die 1955 vom Weseler Bürger-Schützen-Verein, dem Etzel als Weselaner natürlich angehörte, errichtet wurde.
Seine Verdienste um Wesel würdigte die Stadt am 15. Oktober 1966. Während des Festaktes anlässlich der 725-Jahr-Feier zur Stadterhebung erhielt Franz Etzel die Ehrenbürgerwürde der Stadt Wesel.

Franz Etzel starb am 9. Mai 1970 in Wittlaer bei Düsseldorf. Beigesetzt wurde er nach einer großen Trauerfeier im Willibrordi-Dom am 14. Mai 1970 auf dem Weseler Friedhof. Auf Antrag des Weseler Bürger-Schützen-Vereins benannte die Stadt Ende 1970 einen repräsentativen Platz, den ehemaligen Kaiserplatz am Bahnhof, nach ihm.

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