Stichtag: 9. November 1794 - Während der „Affäre von Wesel“ beschoss französische Artillerie Stadt und Festung Wesel.

Im Ersten Koalitionskrieg (1792-1797) zwischen der französischen Republik und einer Koalition aus Österreich und Preußen sowie auch - nach einiger Zeit - Piemont-Sardinien, Großbritannien, Spanien, Neapel sowie die Niederlande kämpften beide Seiten mit wechselndem Kriegsglück. Die Spannungen innerhalb der Koalition führten dazu, dass Preußen Anfang 1794 seine Soldaten bis auf das für diesen Reichskrieg vorgesehene Pflichtkontingent von 20.000 Mann zurückzog. Seine Truppen benötigte Preußen im Osten, wo es die 1793 in der zweiten Polnischen Teilung zugesprochenen Gebiete sichern wollte.

Situationskarte zu den Vorgängen am 9. November 1794 Situationskarte

Die Alliierten, allen voran Österreich, befanden sich daraufhin in der Defensive und gaben sukzessive das linke Rheinufer auf. Anfang Oktober 1794 setzten die österreichischen Truppen bei Köln und Düsseldorf über den Rhein, die englisch-hannoverischen Truppen gingen nach Nimwegen bzw. über die Waal. Die Regierung in Kleve unter dem Präsidenten Freiherr von Stein hatte sich nach Wesel zurückgezogen. Die Beschießung der auf dem linken Rheinufer gelegenen Festung Düsseldorf bewog den Weseler Festungskommandanten, Vorsichtsmaßnahmen gegen eine solche Beschießung oder gar eine Belagerung der Feinde zu ergreifen. Auf der am linken Rheinufer gelegenen Büdericher Insel wurden am 7. Oktober 1794 fünf Kanonen mit Bedienung postiert, die den Feind zu Wasser und zu Lande auf Abstand halten sollten. Zugleich begann man mit dem Bau einer Schanze. Auch im Winkel zwischen Rhein und Lippe wurden Kanonen aufgestellt. Ab dem 20. Oktober wurde auf der Büdericher Seite der Damm an der Arche abgetragen, um dem Feind dort mögliche Deckung zu nehmen und die Österreicher bauten vor der Schiffsbrücke über den Büdericher Kanal einen Brückenkopf.
Seit dem 20. Oktober blieb man vom Feind nicht mehr unbehelligt, der argwöhnisch das Treiben am Büdericher Ufer, auf der Insel und vor allem auf dem Rhein beobachtete. Ihm war nicht entgangen, dass sich trotz der vom Freiherrn von Stein befohlenen nächtlichen Einzelfahrten vor Wesel 13 Boote aus Ruhrort für den Bau einer großen Schiffsbrücke sammelten, die von den englischen Truppen gebaut werden sollte. Die österreichischen Truppen verlegten Anfang November bis zu 4.000 Mann nach Büderich, obwohl die Schiffsbrücke noch nicht fertig war. Bei Spellen und auf dem Römerward wurden weitere Kanonen platziert, um den Feind besser abzuwehren.

Nachdem am 8. November Nimwegen gefallen war, kam am folgenden Morgen französische Truppen aus Köln und Nimwegen und stürmten gegen Büderich. Die Österreicher konnten ihre Stellung nicht halten und zogen sich mit ihren Kanonen über die Brücke am Büdericher Kanal auf die Insel zurück. Sie wurden dabei durch die Artillerie auf der Insel wie auch auf der Weseler Seite gedeckt. Die Schiffsbrücke wurde anschließend zerstört. Da die große Schiffsbrücke nicht fertig war, musste die Truppe mit der fliegenden Brücke, einer Gierseilfähre, nach Wesel übersetzen. Weil das nur sehr langsam und unter ständigem Beschuss ging, kam es zu Panikreaktionen unter den Soldaten. Viele sprangen ins Wasser und klammerten sich an die Fähre, so mancher ertrank.

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Die preußische Artillerie deckte den Rückzug gegen die nachrückenden Franzosen und zog sich gegen Mittag mitsamt ihren Kanonen über den Rhein zurück - ohne einen Mann zu verlieren. Obwohl während der Überfahrt das Tau der Gierponte getroffen wurde und diese danach hilflos auf dem Rhein trieb, gelang es trotz Beschusses, die Fähre am Hafendeich ans Ufer zu bringen. Die Franzosen trafen ein Heuschiff im Hafen, dass lichterloh brannte und versuchten, weitere Schiffe zu versenken, was aber mißlang. Statt dessen wurden mehrere Häuser der Rheinvorstadt beschädigt. Die französische wie auch die preußische Artillerie lieferten sich bis zum Abend ein heftiges Duell. Es fand am nächsten Tag keine Fortsetzung, da der Feind zumindest sein Ziel, einen möglichen Rheinübergang von Koalitionstruppen zu verhindern und diese über den Rhein zu drängen, erreicht hatte. Seine Verluste waren allerdings erheblich; sie lagen bei etwa 1.500 Toten und Verwundeten. Die Österreicher verloren 200 Mann, darunter 40 gefangene Dragoner. Preußen verlor neun Mann und hatte drei Verwundete. Unter der Weseler Bevölkerung gab es keine Toten, lediglich ein Kind wurde verletzt. In der Stadt brach trotz Granatenbeschuss kein Feuer aus; es gab nur geringe Schäden an einigen Häusern.

1795 scherte Preußen endgültig aus der Koalition aus und schloss am 5. April 1795 in Basel mit Frankreich einen Sonderfrieden, bei dem es auf seine linksrheinischen Gebiete verzichtete.

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