Stichtag: Juli 1934 - Schillfestspiele

Umschlag des Festspiel-Textheftes: Albert von Wedell präsentiert dem Erschießungskommando seine Brust

Den 125. Todestag der elf Schill'schen Offiziere beging man in Wesel auf eine besondere Art und Weise. Diese Offiziere, die am Zug des Majors Ferdinand von Schill gegen die Herrschaft Napoleons und zur Entfachung eines Volksaufstandes teilgenommen hatten, gerieten am 31. Mai 1809 in Stralsund in Gefangenschaft und wurden am 16. September 1809 auf Befehl Napoleons als Straßenräuber vor den Toren Wesels hingerichtet. Nahe der Hinrichtungsstätte in den Lippewiesen erinnert noch heute das 1835 errichtete Denkmal an die Offiziere, die als preußische und deutsche Helden und Märtyrer von der Bevölkerung verehrt wurden.

Gruppenbild mit sämtlichen Darstellern der Festspiele vor dem Haupttorgebäude

Die sich selbst so apostrophierende und damit bereits seit längerem werbende „Schillstadt" Wesel veranstaltete im Sommer 1934 mit den Schillfestspielen ein vielbeachtetes Sommerspektakel. Vom 19. Juli bis zum 16. September wurde das zweieinhalb Stunden dauernde Stück „Schill. Ein Spiel von Deutschlands Freiheitskampf" vor der historischen Kulisse des Zitadellenhaupttores, wo die Offiziere vor ihrer Hinrichtung untergebracht waren, zweimal wöchentlich, jeweils mittwochs und samstags nachmittags, vorgeführt. Die etwa 300 Darsteller - überwiegend Laien aus Wesel - in ihren historischen Kostümen zogen 128.000 Besucher an. Die meisten Besucher dieser eifrig beworbenen Veranstaltung kamen per Schiff, Bus oder Bahn als Touristen nach Wesel. Die Festspiele waren also touristisch für die Stadt Wesel ein ausgesprochener Erfolg.

Den Text des Festspiels verfasste der Mysterien- und Festspieldichter Erich Eckert, der auch als Spielleiter fungierte. Eckert war ein erfahrener Mann, der zahlreiche Festspiele geschrieben hat, so für Beckenried und Meggen (Schweiz), Xanten oder Heessen bei Hamm. Erzählt wurde die Geschichte von Schill und den elf hingerichteten Offiziere. Es traten sowohl Schill als auch Königin Luise von Preußen auf. Ein wichtiger Teil des trivialen Spiels war die ergreifend ausgemalte Liebesgeschichte von einem der Offiziere. Für die musikalische Umrahmung sorgte laut Textbuch die Standartenkapelle 1./57, also die SA, unter der Leitung des Musikzugführers Müller aus Wesel.
Der Festspieltext war eindeutig auf die neue Zeit ausgerichtet und entsprach absolut dem nationalsozialistisch geprägten Zeitgeist. Das Stück, letztlich ein profaniertes Passionsspiel, entließ den Zuschauer mit zwei Botschaften, nämlich wohin der Weg von Schill und seinen Offizieren nur führen konnte und wofür ihr Einsatz stand und steht. Es endet mit eindeutigem Bezug zum Zeitgeschehen.

Alle:
Für das ewige Deutschland!
1. Bürger:
Dem die Besten dienen, für das die Besten streiten, für das die Besten ihr Leben lassen!
Alle:
Für Deutschland, für Deutschland!
1. Bürger:
Gefallen ist Schill, gefallen wie Helden sind sie, die ihm folgten!
Der junge Mensch:
Aber lebendig geblieben und ewig ist der Geist, aus dem Deutschlands Führer erstehen!
Alle:
Selig die Zeit aus der Saat, die wir säten!
Geeinigt das Reich,
Eins alles Volk,
Eines der Wille, eines der Glaube,
Eines die Tatkraft, eines die Liebe!
Und eins die treue Gefolgschaft
Dem Einen, der Deutschland erweckt!

Schlussbild des Festspiels

Ein Fotoalbum von den Schillfestspielen zeugt davon, dass eine Botschaft - die vom profanen Erlöser bzw. Erwecker - angekommen ist. Die von Eckert gezogene Verbindung von Schill zu Hitler wurde erkannt und das Schlussbild folgerichtig mit „Heil Deutschland - Heil unserem Führer!" betitelt. Die zweite Botschaft, der Märtyrertod bzw. das Sterben für Deutschland, war keinesfalls neu, entsprach aber völlig den Vorstellungen der neuen Machthaber und wurde im Zweiten Weltkrieg zunehmend eingefordert.

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