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Übernahme von Teilen des Kirchenarchivs als Depositum ins Stadtarchiv

Vertragsunterzeichnung

Mit der Unterzeichnung des Vertrages werden „formal“ ca. 500 Kartons aus dem Evangelischen Kirchenarchiv an das Stadtarchiv Wesel übergeben. Um die Masse an historischen Akten im Stadtarchiv unterbringen zu können, muss zunächst eine neue Regalanlage in den Magazinräumen installiert werden. So werden voraussichtlich bis im Frühjahr 2022 alle Kartons im Stadtarchiv deponiert sein.

Die Bedeutung dieser Vertragsunterzeichnung erschließt sich mit einem Blick auf die Akten, die in unser Archiv gelangen. Dazu gehören die Kirchenbaurechnungen der Stadtkirche St. Willibrord, die ab 1304 vorliegen.

Die ältesten Kirchenrechnungen dieser Kirche stammen aus dem Jahr 1401. Kirchenbücher, die vor allem bei den vielen Familienforscher*innen in Wesel sehr beliebt sind, sind ab 1564 überliefert. Die Akten der Kirchenverwaltung gehen auf das 15. Jahrhundert zurück.

Depositum

Abgeschlossen wird ein sogenannter Depositalvertrag, der bestimmt, dass der Eigentümer des Bestandes weiterhin die Evangelische Kirchengemeinde Wesel ist, die Akten jedoch einerseits im Stadtarchiv unter klimatisch bestmöglichen Bedingungen gelagert und ggf. auch restauriert werden. Andererseits werden die Akten vom Stadtarchiv wissenschaftlich erschlossen und so für die Forschung weiterhin bereitgestellt im Rahmen des nordrhein-westfälischen Archivgesetzes und der Archivordnung der Stadt Wesel.

Der Vertrag läuft zunächst bis zum 31. Dezember 2031, verlängert sich jedoch stillschweigend um jeweils fünf Jahre, wenn keiner der Vertragspartner den Vertrag kündigt. Davon ist nicht auszugehen, denn der Wunsch von Stadt und Evangelischer Kirche ist eine dauerhafte Lösung.

Der Hintergrund dieser Vertragsunterzeichnung ist, dass die Evangelische Kirchengemeinde eine Konzeptvergabe für den Gebäudekomplex rund um das historische Lutherhaus ausgeschrieben hat. Die Evangelische Kirche sucht derzeit einen Investor. Damit verbunden ist die Aufgabe des Verwaltungsgebäudes, in dem das Kirchenarchiv bisher untergebracht war.

Die Kirchengemeinde ist daran interessiert, dass die historisch relevanten Archivalien weiter in Wesel zugänglich bleiben. Deshalb hat sie sich für die Kooperation mit dem Stadtarchiv entschieden.

Bedeutung für das Stadtarchiv Wesel

Das Depositum stellt eine wichtige und zentrale Ergänzung der historischen Bestände des Stadtarchivs Wesel dar. Die historische Überlieferung im Stadtarchiv Wesel gehört zu den bedeutendsten im Rheinland neben Köln und Aachen.

Der größte Vorteil, der sich aus der Vertragsunterzeichnung ergibt, ist, dass die Akten nach wie vor in Wesel für Forscher*innen zur Verfügung stehen. Wer in die Akten einsehen möchte, kann dafür in Wesel bleiben.

Das Stadtarchiv wird ab 2022 das bisherige Findbuch des Kirchenarchivs in die Archiv-Software des Stadtarchivs überführen. Das Findbuch wurde maßgeblich von Uwe Theiß gepflegt. Die neuen Daten werden mit schon vorhandenen und noch anzufertigenden Digitalisdaten verknüpft. So können die kostbaren Originalakten geschont werden. Die Einsichtnahme erfolgt dann an den PCs im Lesesaal. In einigen Fällen ist schon jetzt eine Restaurierung der Originale angebracht. Diese werden in der hauseigenen Restaurierungswerkstatt fachgerecht restauriert.

Gelagert werden die Akten in einer neuen Regalanlage, die für rund 1.000 Archivkartons ausgelegt ist. Im Magazinraum im ersten Stockwerk der Papierrestaurierungswerkstatt wird aktuell von einer renommierten Spezialfirma eine Rollregalanlage montiert. Die neue Anlage soll zukünftig auch die Akten des Dombauvereins Wesel aufnehmen, die bis jetzt auch noch im Archiv der Evangelischen Kirche lagern. Dazu wird ein gesonderter Vertrag vorbereitet.

Durch das Depositum wird das Stadtarchiv noch mehr zu einem zentralen Ort zur Bewahrung stadtgeschichtlicher Archivalien -  auch und gerade für zukünftige Generationen.